Montblanc-Inferno: Fast alle Todesfälle vermeidbar

12. Februar 2005, 17:53
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Opfer zumeist vor dem Verbrennen erstickt - wertvolle Minuten verloren

Bonneville - Bei der Brandkatastrophe im Montblanc-Tunnel vor sechs Jahren waren offenbar so gut wie alle der 39 Todesfälle vermeidbar. "Es hätte ohne weiteres kein Opfer geben können, wenn gleich nach der ersten Rauchentwicklung die Ampeln an der Tunneleinfahrt auf Rot gestellt worden wären", sagte der Brandexperte Rene Guichard am Mittwochabend vor dem Strafgericht im französischen Alpenort Bonneville.

"So wurden neun Minuten verloren - und in diesen neun Minuten hat man Menschen in einen Tunnel des Todes hineinfahren lassen." Nach Erkenntnissen von Guichard kamen 36 Opfer der Katastrophe innerhalb von zehn Minuten durch Ersticken ums Leben. Lediglich drei lebten durch bessere Sauerstoffzufuhr etwas länger.

Prozess auf drei Monate angesetzt

Vor dem Strafgericht in Bonneville unweit der Grenze zur Schweiz müssen sich seit Ende Jänner 16 mutmaßliche Verantwortliche der Brandkatastrophe verantworten, darunter vier Gesellschaften. Mehr als 200 Nebenkläger wollen geklärt sehen, warum die Sicherheitsvorkehrungen versagten. Der Prozess ist auf drei Monate angesetzt. Bei einem Schuldspruch müssen die Angeklagten mit bis zu drei Jahren Gefängnis und 45.000 Euro Geldstrafe rechnen.

Der Brand in der gut elf Kilometer langen Röhre entzündete sich am 24. März 1999 in einem belgischen Lastwagen, der Margarine und Mehl von Frankreich nach Italien transportierte. Er konnte erst nach Tagen gelöscht werden. (APA/AFP)

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