Hypo Vorarlberg im Visier der Prüfer

17. Februar 2005, 09:51
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Die Hypo-Tochter Hypo Vorarlberg Leasing in Bozen bringt die Mutter in Bedrängnis: Durch Kredite an einen Südtiroler Baulöwen gingen 30 Mio. €verloren

Bregenz/Bozen - Obwohl die Unregelmäßigkeiten bei der Hypo-Tochter bereits auf das Jahr 2000 zurückgehen und ein Vorstandsmitglied wegen der Verluste seinen Platz räumen musste, wurde das Ausmaß der Affäre erst jetzt öffentlich.

Johannes Rauch, Klubobmann der Grünen, spricht von einer "Blockadepolitik aus parteipolitischem Interesse" und wirft Landeshauptmann Herbert Sausgruber (VP) vor, als Eigentümervertreter die Bevölkerung nicht informiert zu haben.

Grüne und SP beantragten nun eine Sonderprüfung durch den Landes-Rechnungshof, die dessen Direktor, Herbert Schmalhardt, für die nächsten sechs bis acht Wochen in Aussicht stellte. Ein Prüfbericht des Bundes-Rechnungshofes ist ebenfalls in Arbeit.

"Massive Kompetenzüberschreitungen"

Bis 2000 war die Hypo Vorarlberg Leasing AG, kurz "Leasing Bozen" - die größte Leasinggesellschaft in Südtirol/Trentino - eine brave Tochter der Vorarlberger Landesbank. "Zufrieden stellende Beiträge" habe sie geliefert, blickt Vorstandsvorsitzender Jodok Simma auf bessere Zeiten zurück.

Im Herbst 2001 wurden durch die interne Revision "massive Kompetenzüberschreitungen des damaligen Geschäftsführers und Unregelmäßigkeiten festgestellt". Die Grünen wollen nun, dass der Rechnungshof Hinweisen auf "dubiose Provisionszahlungen" nachgeht. Bei den Verlustgeschäften hat es sich vor allem um Kreditvergaben an ein großes Südtiroler Bauunternehmen gehandelt - dem Vernehmen nach um die Lanabau, einem der größten in der Region.

Die Lanabau gilt als finanziell angeschlagen. Eigentümer Serafin Unterholzner, ehemaliger Maurer und schillernde Figur in der regionalen Baubranche, hat bereits vor einem Jahr zwei Banken für ihre Unterstützung als "sehr professionell" öffentlich gelobt. 2003 hat die Hypo Vorarlberg Leasing AG die Anteile Unterholzners an der Ifinger Seilbahn bei Meran (40 Prozent) erworben. Unterholzner gilt auch als wichtige Figur im Poker um das insolvente Meraner Luxushotel Palace. Durch die Verlustabdeckung der Leasing Bozen sank das Jahresergebnis der Hypo 2002 von 30,4 Mio. auf 16,1 Mio. Euro. Der Schaden könne, sagt Simma, "aus eigener Kraft wettgemacht werden".

Auch Troubles in Graz

Indes trennt sich die Grazer Filiale der Hypo Vorarlberg von ihrem Filialleiter. Der Mann ist spielsüchtig und veruntreute 400.000 Euro von Konten, für die er zeichnungsberechtigt war. Hypo-Sprecherin Roswitha Nenning: "Es waren Konten von Familienmitgliedern und Freunden." "Die Filiale hatte Topergebnisse", so Nenning. Weil man Verdacht schöpfte, prüfte man Bankomat-Behebungen des Bankers und stellte fest, dass er häufig Spielcasinos besuchte. Für die Bank entstand bisher kein Verlust, weil keiner der bestohlenen Kontoinhaber geklagt habe. Mittlerweile weiß man, dass der Banker auch bei seinem alten Arbeitgeber, der Hypo Steiermark, Geld veruntreut hatte. (bs, cms, jub, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2005)

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