Rückblick und Ausblick sind zwei Paar Schuhe

28. Februar 2005, 12:47
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Nach Zypern gehören die Nationalspieler wieder ganz ihren Vereinen. Teamchef Krankl kann nur hoffen, dass sich keiner wehtut

Wien - So ein Leben als Fußballprofi soll ja spannend bleiben. Also entließ Krankl nach nächtlicher Rückkehr aus Zypern seine Spieler in die Vorbereitung der Vereine. Das kann - natürlich blendend bezahlt - so aussehen: Ivica Vastic fährt heim, herzt Frau und Kinder, schläft vielleicht ein paar Stunden, packt wieder, besteigt in der Früh ein Flugzeug nach München, steigt dort in den Flieger nach Triest um, wird dann per Bus nach Porec gebracht, wohin die Austria dem strengsten Winter entflohen ist. Gestern gab's für Vastic schon Abendessen mit den lieben Kollegen. Am Donnerstag ist dann für sie UEFA-Cup gegen Bilbao.

Gut getimte Reise

Krankl hat's da besser - er musste am Donnerstag nur noch das verwichene Vier-Nationen-Turnier, das Österreich nach Unentschieden und Niederlagen im Elferschießen gegen Zypern und Lettland auf dem letzten Platz beendete, einer Analyse zuführen. Die Reise sei gut getimt gewesen, man habe zumindest nicht verloren, war zusammen, "und ich habe einige neue Aspekte in Blickrichtung Kroatien gesehen". Schon droht nämlich das nächste Testspiel: am 2. März in Wien. Das ist dann die Generalprobe für die beiden Pflichtspiele gegen Wales (26. März in Cardiff, 30. März in Wien), die Österreichs weiteren Weg in der Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland genau weisen werden.

Indizien, wohin die Reise gehen könnte, lieferten andere Spiele am Mittwoch. So besiegten die Waliser in Cardiff auch ohne drei ihrer Besten - Giggs, Hartson und Savage - Ungarn durch zwei Tore von Bellamy mit 2:0. Krankl hat das Debüt von Teamtrainer Toshack beobachten lassen und harrt eines Berichtes. Nordirland hat übrigens gegen zehn Kanadier in Belfast 0:1 verloren, was das von Krankl als Heldenepos interpretierte 3:3 der Österreicher vom Oktober ebenda in einem anderen Licht erscheinen lässt. Das alles waren natürlich nur Tests, auch das 1:3 der in der Österreich-Gruppe an zweiter Stelle liegenden Polen gegen Weißrussland, das der Teamchef recht ermutigend fand.

Die künftigen Probleme

Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings die Tatsache, dass im ersten Spiel gegen Wales Kühbauer und Kiesenebner gesperrt sind. Ersatz für das defensive Mittelfeld war auf Zypern mit freiem Auge nicht zu sehen. Eine geringe Hoffnung besteht, dass Legionär Schopp bis dahin seine Verletzung auskurieren kann. Wenn nicht, bricht auch die rechte Mittelfeldseite weg.

Stürmer hat Krankl genug, weil Haas trotz Japan-Engagements zu Qualifikationsspielen kommen wird. "Ich habe mir das erwartet und wurde bestätigt", sagte Krankl. Haas wäre in der WM-Qualifikation auch der zweite Elferschütze, was nach der Zypern-Erfahrung keine unwichtige Info ist. Nummer eins wäre Kühbauer.

Mehr nachdenken muss Krankl über ein von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler in Auftrag gegebenes Teamchef-Konzept bis zur EURO 2008 im eigenen Land. Ob eine Reinschrift von Krankls Händen notwendig ist, wird sich auch gegen Wales zeigen. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 11.02.2005)

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    Hans Krankls Blick in eine erfolgreiche Zukunft?

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