Dem Nervenspiel folgt harte Arbeit

23. Februar 2005, 13:43
5 Postings

Das Kräftemessen ist beendet, der österreichische Konzern geht nach einer Zustimmung von 90,94 Prozent in Siemens auf

Die wichtigste Hürde auf dem Weg zur VA Tech hat Siemens Donnerstagnacht knapp, aber doch genommen: 90,94 Prozent der VA-Tech-Aktionäre wollen das Angebot von 65 Euro je Aktie annehmen und stimmten damit für die Übernahme des Anlagenbau- und Energietechnikkonzerns durch die Siemens AG Österreich.

Drittgrößte Übernahme

Damit ist das Ende des VA-Tech-Konzerns und die drittgrößte Übernahme in der österreichischen Industriegeschichte (nach BBAG/Brau-Union durch Heineken und Austria Tabak durch Gallaher) besiegelt. Siemens hat angekündigt, den kleinen Rivalen von der Börse zu nehmen und zu integrieren.

Vorbehaltlich der Zustimmung der Kartellbehörden versteht sich, denn VA Tech und Siemens überschneiden sich in einigen Geschäftsbereichen deutlich, was Zugeständnisse notwendig macht, um Marktbeherrschung zu vermeiden.

Der gravierendste Fall ist zweifellos der Wasserkraftwerksbau, in dem beide Konzerne tätig sind. Siemens muss entweder das Joint Venture Voith-Siemens aufgeben oder mindestens die Hälfte der VA-Tech-Hydro abgeben.

Welcher der beiden Varianten Siemens den Vorzug gibt, ist offen. Insider halten es durchaus für möglich, dass sich Siemens nicht mit Voith-Siemens begnügt, sondern mit VA-Tech-Hydro wieder in den Wasserkraftwerksbau einsteigt. Mirko Kovats und seinen Geschäftspartnern bliebe dann die Kooperation mit General Electric, die in Weiz knapp 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei Voith gibt man sich bedeckt: "Wir haben das Joint Venture mit Siemens langfristig angelegt. Voith ist vom Vorgehen von Siemens bezüglich des Erwerbs der VA Tech informiert und es besteht kein Grund, dazu einen weiteren Kommentar abzugeben", sagte ein Sprecher der Voith Siemens Hydro Power Generation dem STANDARD.

EU-Wettbewerbskommission prüft

Das letzte Wort muss in der Causa EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sprechen. Deren Stellungnahme ist noch dürftig: "Die Entscheidung über Siemens fällt am 14. Februar", sagt ihr Sprecher Jonathan Todd. Vorher gebe es keine Auskünfte, ob die EU-Kommission ein genaues, vertieftes und langes Prüfverfahren einleiten wird.

Hinter den Kulissen sind die Brüsseler Wettbewerbshüter aber längst aktiv. Die EU-Kommission hat Firmen, die möglicherweise von der Übernahme betroffen sind, um Stellungnahme ersucht. Solche Briefe sind etwa bei Alstom und bei SMS Demag eingetrudelt. Die französische Alstom-Gruppe könnte sich vor allem im Bereich Wasserkraft unter Druck gesetzt fühlen, weil Siemens künftig einen Marktanteil von 60 Prozent in Europa hätte.

Die Antworten der angeschriebenen Firmen sind ein Teil der Fakten, aufgrund derer die EU-Generaldirektion Wettbewerb die Entscheidung trifft, ob sie ein vertieftes Verfahren gegen Siemens einleitet.

Siemens verkauft SMS-Demag-Anteile

Der andere Teil ist die Reaktion von Siemens selbst: Wird es doch in Brüssel für möglich gehalten, dass Siemens bis Montag anbietet, aus einem Teil seiner Geschäfte auszusteigen. Der Verkauf der knapp 30 Prozent am VA-Tech-Konkurrenten SMS-Demag zum Beispiel ist bereits in Abwicklung.

Falls auf diese Art mögliche Bedenken der Wettbewerbsbehörde ausgeräumt würden, könnte das Prüfverfahren wesentlich kürzer ausfallen als die befürchteten vier bis sechs Monate. In diesem Sinne bekräftigte Siemens am Donnerstag, dass ein Rücktritt vom Deal möglich sei, wenn die Transaktion, die Siemens rund eine Milliarde Euro kostet, nicht genehmigt werden sollte.

Hochleitner rechnet erwartet baldingen Abschluss

Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner rechnet dennoch mit einem Abschluss der Transaktion Ende Juli. "Ich erwarte keine einschneidenden Auflagen von den Kartellbehörden", sagte er. Bis dahin gilt für Siemens und VA Tech ein Vollzugsverbot, es dürfen also keine Maßnahmen der Integration der VA Tech in den Siemens-Konzern gesetzt werden, ließ VA Tech wissen.

Hochleitner erhöht indes den Druck: Nun müsse VA Tech die Produktivität rasch steigern. "Es ist ganz klar, dass für das Unternehmen, für das wir jetzt doch statt 55 65 Euro zahlen, die Geschwindigkeit nun zunehmen wird." Aber: "Wenn wir über Produktivitätssteigerungen reden, reden wir nicht über Entlassungen, sondern wir reden darüber, dass wir schneller wachsen müssen", betonte Hochleitner. Die Standortgarantien und die befristete Arbeitsplatzsicherung für das Werk Weiz, wo drei Unternehmensbereiche zusammenlaufen, bestünden natürlich weiter. (Luise Ungerboeck, Eva Linsinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Übernahme durch Siemens ist durch - Closing für 22. Juli erwartet

Share if you care.