Die Korea-Blockade

24. Februar 2005, 17:09
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Eine große Überraschung ist Nordkoreas Besitz von Atomwaffen nicht - von Markus Bernath

Der Kreis der erklärten Atommächte ist also um ein Mitglied größer geworden. Das allein zeigt die Bedeutung der Mitteilung, die Nordkorea über seine Nachrichtenagentur in die Welt hinaus gesandt hat und die nach einer entschiedenen Antwort der internationalen Staatengemeinschaft verlangt.

Hier beginnt aber auch wieder Pjöngjangs sattsam bekannte Poker-Politik der vergangenen Jahre: Eine große Überraschung ist Nordkoreas Besitz von Atomwaffen nicht; noch jeder höherrangigen Delegation, die zuletzt nach Pjöngjang reiste, wurde dort bedeutet, dass das kommunistische Land jetzt nun wirklich nukleare Sprengsätze plant, vorbereitet, kurz vor ihrer Produktion steht, leider noch ein paar neue bauen muss. Auch Nordkoreas Ankündigung, vorerst nicht mehr an den Sechs-Parteien- Gesprächen zur Beilegung des Atomstreits teilzunehmen, beeindruckt die Nachbarstaaten nicht über Gebühr. Alle glauben zu wissen: Kim Jong-il will sein Regime retten und nicht etwa in einem selbst angezettelten Atomkrieg untergehen. Eine neue vierte Verhandlungsrunde Nordkoreas mit Japan, China, Südkorea, Russland und den USA wird also wieder beginnen. Wird sie aber auch etwas erreichen? Das Problem der Koreakrise ist die Blockade, in die sich Pjöngjang und Washington in den zurückliegenden drei Jahren hineingeredet haben; die Lösung der Krise heißt "Realpolitik". Der Rückgriff auf den Zynismus der Jahre des Kalten Kriegs, wo Washington kühl den Machtvorteil abwog und das Geschäft mit Peking suchte zu Lasten der Sowjetunion.

Die USA müssten ähnlich heute dem nordkoreanischen Regime jene finanziell ausgepolsterte Sicherheitsgarantie geben, auf die Kim Jong-il so hofft, und ihre Verachtung gegenüber einem Staat, der seine Bürger verhungern ließ und in Arbeitslager steckt, hintanstellen. Nordkoreas realistische Option wiederum ist nur die nukleare Entwaffnung und ein Wirtschaftsweg nach dem Modell Chinas. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2005)

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