Geld für "Soft ball"-Fragen

12. Februar 2005, 18:43
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"Journalist" wurde bezahlt, um Präsident Bush genehme Fragen zu stellen - Auch Kolumnisten haben Geld erhalten

In einer seiner seltenen Pressekonferenzen rief US-Präsident George W. Bush Ende Jänner den Reporter Jeff Gannon auf und erhielt eine so genannte "Soft ball"-Frage: Wie könne er, Bush, mit Demokraten zusammenarbeiten, "die von der Realität losgelöst seien". Bush antwortete auf die aufgelegte Frage mit Plattitüden, wie, dass er "weiterhin direkt zum amerikanischen Volk" sprechen werde.

Gannon war linken Bloggern bereits seit Längerem durch seine regierungsfreundlichen Fragen während der Pressekonferenzen im Weißen Haus aufgefallen.

Nachdem sie die Identität des konservativen "Reporters", der als Vertreter der nur im Internet existierenden Nachrichtenagentur Talon News und der Webseite "Gopusa" im Weißen Haus akkreditiert war, recherchiert hatten, stellte sich heraus, dass Talon wenig mit News und viel mit Propaganda zu tun hat. Beide Internetseiten wurden von dem Republikaner Bob Eberle aus Texas finanziert.

"Gannon", der sich als der 47-jährige Waffenliebhaber und eingetragene Republikaner James Dale Guckert entpuppte, quittierte Dienstag seinen Job.

Der Wirbel um Gannon folgt einer Reihe von weiteren Enthüllungen, wonach prominente US-Journalisten und Kommentatoren von der Bush-Administration bezahlt wurden.

Der religiös- konservative Armstrong Williams, der die Fernseh- und Radio-Show "The Right Side" moderiert, bekam über die PR-Agentur Ketchum vom US-Bildungsministerium 240.000 Dollar (185.000 Euro).

Williams sollte in seinen Shows Werbung für die Bush-Initiative "Kein Kind bleibt zurück" machen. Der Moderator entschuldigte sich dafür, die Geldannahme nicht publik gemacht zu haben, erklärte aber Geld nur für Werbeeinschaltungen genommen zu haben.

Ins Kreuzfeuer der Kritik gerieten auch die Kolumnisten Michael McManus und Maggie Gallagher. McManus, dessen Kolumne "Ethics and Religion" in 24 Zeitungen erscheint, nahm im Namen einer von ihm geleiteten NGO Geld vom US-Gesundheitsministerium an. Laut USA Today sollte er dafür die Pro-Ehe- Kampagne des Präsidenten unterstützen. Gallagher soll 20.000 Dollar für die Unterstützung derselben Initiative erhalten haben. Bush forderte seine Regierung nach Bekanntwerden der Affären dazu auf, keine Zahlungen mehr an Journalisten zu leisten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.2.2005)

Susi Schneider aus New York

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dailykos.com

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    George W. Bush lässt Journalisten für positive Berichterstattung bezahlen.

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