Verbund-Vorstand will Stromlösung endgültig kippen

17. Februar 2005, 16:00
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Stand-alone-Variante bevorzugt - Reduktion der Synergien um 50 bis 100 Prozent befürchtet

Wien - Der Vorstand der börsenotierten Verbundgesellschaft will die Österreichische Stromlösung (ÖSL) - die Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag) endgültig kippen und bevorzugt die Stand-alone-Variante, heißt es in der neuen Ausgabe des Nachrichtenmagazin "Format".

Gestützt auf Analysen von Banken sehe der Vorstand den "Verbund als stand-alone Unternehmen ... als eines der bestpositionierten EVUs in ganz Europa", zitiert das Magazin aus einem internen Positionspapier.

Geänderte Rahmenbedingungen

Es werde befürchtet, dass die ursprünglich für den Verbund erhofften Synergien von 40 Mio. Euro wegen der geänderten Rahmenbedingungen nicht realisierbar seien. Zu erwarten sei "eine Reduktion der Synergien um 50 bis 100 Prozent".

Bedroht sei auch der Verkauf von aus Wasserkraft erzeugtem Strom mit einer Prämie: "Verlustrisiko aus diesem Titel: 14 Millionen Euro pro Jahr", heißt es laut "Format" in dem elfseitigen Verbund-Dossier.

Bei der Vertriebsfirma e&s, an der die EnergieAllianz zwei Drittel und der Verbund ein Drittel halten sollen, würden nachhaltige operative Verluste von bis zu 10 Mio. Euro jährlich befürchtet.

Aufgeblähte Bürokratie

Weiters kritisiere der Verbund die aufgeblähte Bürokratie und sehe sich durch die ÖSL bei der Verfolgung seiner Wachstumsstrategie im Ausland behindert. "Eine Erfolgsstory a la OMV wäre unmöglich, weil sämtliche Gesellschafter unseren Auslandsaktivitäten zustimmen müssen", so ein Verbund-Manager im "Format" laut Vorab-Bericht.

Der Wettbewerb in Österreich sei schon durch die Vorbereitungen auf die Austro-Stromehe zum Erliegen gekommen. Den Vorwurf, heimische Wasserkraft lieber teuer im Ausland als hierzulande zu verkaufen, gebe der Verbund an die EnergieAllianz weiter. Sie habe im Verhandlungsverlauf ihre Strombezüge vom Verbund um 60 Prozent reduziert.

Man würde die Wasserkraft lieber zu Marktpreisen in Österreich verkaufen. Aus dem Verbund hieß es dazu zur APA, man wolle keinen weiteren Kommentar abgeben, die in dem Magazin-Bericht genannten Fakten entsprächen aber der aktuellen Einschätzung im Konzern. (APA)

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