Neue Richtlinie für Börseprospekte soll Kapitalmarkt beleben

17. Februar 2005, 09:40
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Viele Hürden aus dem Weg geräumt - Spannung vor Entscheidung für Billigungsbehörde

Wien - Die ab 1. Juli 2005 geltenden neuen Vorschriften für Wertpapierprospekte räumen viele der bisher in Österreich bestehenden Hürden für Emittenten aus dem Weg und könnten den österreichischen Kapitalmarkt deutlich beleben.

Zu diesem Ergebnis kommen die Kapitalmarkt-Experten der Wirtschaftssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer, Maria Pflügl und Friedrich Jergitsch, nach Beurteilung des derzeit vorliegenden Gesetzesentwurfes, für den die Begutachtungsfrist noch bis 14. März läuft.

"Europapass" soll grenzüberschreitende Angebote erleichtern

Die Richtlinie dient dazu, die Erstellung, Prüfung und Verbreitung von Wertpapierprospekten EU-weit zu harmonisieren. Für Emittenten sollen mit einem einheitlichen "Europapass" grenzüberschreitende Angebote erleichtert bzw. vereinheitlicht werden, erläuterten die Experten am Donnerstag in einem Pressegespräch.

Voraussetzung für diese Erleichterung ist die Absegnung der Wertpapierprospekte durch die zuständige Billigungsbehörde des nationalen Herkunftslandes. Ein einmal gebilligter Prospekt wird EU-weit anerkannt.

Wer prüft in Österreich: FMA oder Wiener Börse?

In Österreich zeichnen sich Spannungen ab, ob weiterhin die Wiener Börse oder deren Aufsichtsbehörde, die Finanzmarktaufsicht (FMA), künftig die Kontrolle über die Börsenprospekte bekommt.

Auf Grund des im Gesetz vorgeschriebenen Unabhängigkeitsprinzips der künftigen "neutralen" Prüfstelle habe die Wiener Börse nicht sehr gute Karten, befürchten auch Pflügl und Jergitsch, die sich derzeit vor allem mit Hinweis auf Personalprobleme in der FMA die Börse als Billigungsbehörde wünschen würden.

Eine Entscheidung werde nach Ende der Begutachtungsfrist Mitte März erwartet. Als dritte Möglichkeit könnte sich der Gesetzgeber auch für die Einrichtung einer neuen Behörde entscheiden, hieß es.

Die Auswirkungen der neuen Richtlinien auf den österreichischen Kapitalmarkt dürften sich nach Meinung von Freshfields großteils auf das "incoming business" beschränken. Schon jetzt wollen internationale Investmentbanken ihre Produkte auf dem österreichischen Markt platzieren, mit der neuen Richtlinie würde dies nun erleichtert.

Vor allem bei Anleihen und strukturierten Produkten werde es künftig mehr Angebote geben. Inwieweit österreichische Unternehmen die Möglichkeit für ein internationales Listing nützen, sei nicht abzusehen, zumal sich die Frage stelle, ob es hier zu Lande überhaupt den Bedarf dafür gebe bzw. die Kosten dafür stünden, so Pflügl.

Neben dem künftigen EU-weit einheitlichen Verfahren zur Billigung eines Wertpapierprospektes sehen die Experten auch in der Erweiterung und Präzisierung der Ausnahmen von einer Prospektpflicht bzw. den neuen Regelungen zur Werbung weitere wesentliche Vorteile der neuen Wertpapierprospektrichtlinie. Weg fällt künftig die nach österreichischem Kapitalmarktgesetz vorgeschriebene aufwendige Überprüfung auf Richtigkeit des Prospektes durch ein Kreditinstitut oder einen Wirtschaftsprüfer. (APA)

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    Neue Richtlinie für Börseprospekte soll im März abgesegnet werden - Viele Hürden werden aus dem Weg geräumt

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