Ein Viertel der Führerscheinneulinge ignoriert Fortbildungspflicht

17. Februar 2005, 14:58
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Vorgeschrieben sind, je nach Fahrzeugart, mehrere Module

Wien - Mit einer Prüfung zum Führerschein zu kommen, das war einmal. Seit dem 1. Jänner 2003 gilt für Fahranfänger die Regelung, dass sie nach erfolgreich bestandener Theorie-und Praxis-Prüfung innerhalb eines Jahres weitere Module absolvieren müssen. Diese Mehrphasenausbildung wird aber nicht so angenommen, wie vom Gesetzgeber erhofft, zeigen aktuelle Zahlen: Ein Viertel der Anfänger geht nicht rechtzeitig zu den zusätzlichen Schulungen.

Mehrere Module sind vorgeschrieben

Vorgeschrieben sind, je nach Fahrzeugart, mehrere Module. Neue Autofahrer müssen zwei so genannte Perfektionsfahrten, ein Fahrsicherheitstraining sowie ein verkehrspsychologisches Gespräch absolvieren. Für den Motorradführerschein sind nur die letzten beiden Punkte zu erfüllen.

Allerdings haben bisher ein gutes Viertel der Autofahrer und rund die Hälfte der Motorradfahrer diese Maßnahmen nicht in der vorgesehenen Zeit durchgeführt. Die Folgen für das Versäumnis gehen bis zum Entzug des frisch gemachten Führerscheins, berichteten am Donnerstag Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) und Bernhard Wesiak vom Wiener Verkehrsamt bei einer Pressekonferenz.

55 Prozent der Fahranfänger überschritt Fortbildungsfrist

Allein im Jänner mussten in der Bundeshauptstadt 55 Prozent der Fahranfänger von der Behörde informiert werden, dass sie die Fortbildungsfrist überschritten haben. 22 Personen wurde sogar der Führerschein weggenommen, da sie auch die gesetzte Nachfrist ignoriert haben, rechnete Wesiak vor.

Um die besonders unfallgefährdeten jungen Verkehrsteilnehmer besser zu schulen, plädiert KfV-Direktor Thann daher für eine frühere Verständigung. Derzeit könne erst nach Versäumen der Frist gemahnt werden, Thann wünscht sich schon vorher ein Einschreiten der Behörde.

Mehrphasenausbildung unterschiedlich bewertet

Über die Akzeptanz der Mehrphasenausbildung bei den Fahranfängern gibt es übrigens ziemlich unterschiedliche Ansichten. Beim KfV wird eine Studie zitiert, die durchwegs gute Bewertungen der Anfänger für Fahrsicherheitstraining und Psychologengespräch belegt. Alfred Bernkopf, pensionierter Landesgeschäftsführer des ARBÖ in Wien, kommt in seiner Diplomarbeit zum Thema dagegen zu anderen Schlüssen. Eine Befragung von über 600 Führerscheinneulingen ergab bei Bernkopf, dass besonders das psychologische Gespräch schlecht abschneidet, da teilweise Vortragende mangelhaft ausgebildet sind. (moe, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Februar 2005)

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