Hermann Maier ist RTL-Weltmeister

10. Februar 2005, 16:06
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Der Flachauer komplettierte mit dem Titel seine Goldmedaillen-Sammlung - Silber ging an Benni Raich, Daron Rahlves rettete nach Führung im ersten Durchgang Bronze

Bormio - Hermann Maier ist zum ersten Mal in seiner großen Karriere Riesentorlauf-Weltmeister. Der Salzburger gewann am Donnerstag in Bormio vor seinem ÖSV-Teamkollegen Benjamin Raich (+0,25 Sekunden) sowie dem US-Amerikaner Daron Rahlves (0,68) und sorgte damit für die zweite rot-weiß-rote Goldene bei den Titelkämpfen in Italien. Für den 32-Jährigen Maier ist es die erste Goldmedaille bei einem Großereignis nach seinem fatalen Motorradunfall im August 2001. Der Flachauer hat damit auch die ÖSV-Durststrecke im Herren-Riesentorlauf beendet, das bis Donnerstag letzte WM-Gold hatte vor 14 Jahren 1991 in Saalbach Rudi Nierlich geholt.

Dreifacher Weltmeister

Maier hält damit bei drei WM-Goldenen, 1999 in Vail hatte er sich als Sieger in Abfahrt und Super G zum Doppelweltmeister gekrönt. Hinzu zur Goldsammlung kommen die zwei 1998 in Nagano gewonnene Olympiatitel in Riesentorlauf und Super G. "Unglaublich, was da heute passiert ist", suchte selbst Maier, der schon so oft in seiner Karriere ganz oben gestanden war, nach Worten.

Während der trotz Bronze enttäuschte, überlegene Halbzeit-Leader Daron Rahlves wütend seinen Sturzhelm auf den Boden schleuderte, sank der "Herminator" übermannt von seinen Gefühlen auf die Knie und küsste den italienischen Schnee. WM-Gold, und das im Riesentorlauf - Maier, der seit seinem Crash in seiner "zweiten Karriere" einem Riesentorlauf-Sieg erfolglos nachgelaufen war, hatte sich soeben einen seiner letzten großen Karrierewünsche erfüllt.

Mentale Stärke

Und das, nachdem Maier monatelang am richtigen Material herum getüftelt hatte - mit Erfolg, wie sich am "Tag X" herausstellte. An dem Maier, nach Platz 4 im Super G und Platz 17 in der Abfahrt bei seiner letzten Chance auf eine Einzelmedaille in Bormio beinhart zugeschlagen hat. "Meine mentale Stärke überrascht mich selbst", so der vierfache Gesamt-Weltcup-Sieger, der im Rahmen des Weltcup-Finales 2000 - ausgerechnet in Bormio - eine seiner legendärsten Siegesfeiern abgeliefert hatte.

Damit haben die ÖSV-Herren in jener Disziplin, in der im bisherigen Saisonverlauf noch kein einziger Sieg gelungen war, im Ländermatch gegen die USA eindrucksvoll zurück geschlagen. Doppel-Weltmeister Bode Miller war so wie der Norweger Lasse Kjus, der sein letztes WM-Einzelrennen bestritt, bereits im ersten Durchgang ausgeschieden, Rahlves auf Platz drei verdrängt. Österreich hat sich somit in der Medaillenwertung mit einem Schlag vom vierten auf den ersten Rang katapultiert und hält nun bei zwei Mal Gold, zwei Mal Silber und vier Mal Bronze.

Komplette Palette für Raich

Nicht zuletzt dank "Medaillenhamster" Benni Raich, der sich mit Laufbestzeit im von ÖSV-Coach Andi Evers gesteckten zweiten Lauf vom siebenten auf den zweiten Rang vorschob und nach Bronze im Super G und Gold in der Kombi das dritte Edelmetall in Bormio abstaubte. Und nicht zuletzt dank der Allrounder-Trainingsgruppe "WC 4", die mit Maier, Raich und Walchhofer bisher für alle ÖSV-Herren-Medaillen in Bormio gesorgt.

Raich konnte auch eine in den vergangenen beiden Tagen akute Bronchitis-Erkrankung nicht stoppen. Der Tiroler war einer der wenigen gewesen, die sich über das Streik-Chaos und den um 24 Stunden verschobenen RTL "gefreut" hatten, denn dadurch konnte er sich einen Tag mehr schonen. "Ich habe volles Risiko genommen und es hat geklappt", freute sich Raich.

Heimvorteil im zweiten Lauf

Wie ideal für den ÖSV der von Evers gesteckte Finallauf war, beweist die Tatsache, dass Raich vor Maier Laufbestzeit markierte - mit Respektabstand folgte der Kanadier Thomas Grandi auf Rang drei. Auch der Kärntner Rainer Schönfelder legte ein tolle Leistung hin und wurde Achter. Christoph Gruber hatte im ersten Durchgang einen Steher kam mit 7,34 Sekunden ins Ziel und trat daher im zweiten Durchgang gar nicht mehr an.

Freude, Genugtuung und Überraschung herrscht im ÖSV-Trainerstab vor. "In Super G und Abfahrt waren wir die Favoriten und haben kein Gold geschafft. Dass es nun im Riesentorlauf Gold und Silber gibt, hätte ich nie erwartet. Dieses Gold ist mir fast lieber als eines in der Abfahrt." Herrenchef Toni Giger war ebenfalls überrascht und strich die Bedeutung von Kurssetzer Evers hervor: "Er hat den Burschen den Lauf so richtig auf den Leib geschneidert." Schlussendlich brachte Giger den Maier-Triumph auf den Punkt: "Eine typische Maier-Geschichte, niemand hat ihm das zugetraut." (APA)

Ergebnisse WM-RTL:

  • Endstand

  • Zweiter Durchgang:

    1.  Benjamin Raich (AUT)     1:24,76
    2.  Hermann Maier (AUT)        +0,60
    3.  Thomas Grandi (CAN)        +1,03
    4.  Niklas Rainer (SWE)        +1,06
    5.  Didier Defago (SUI)        +1,08
    6.  Aksel Lund Svindal (NOR)   +1,20
    7.  Rainer Schönfelder (AUT)   +1,23
    8.  Kalle Palander (FIN)       +1,25
    9.  Dane Spencer (USA)         +1,45
    10.  Manfred Mölgg (ITA)       +1,46
    11.  Mitja Valencic (SLO)      +1,56
    12.  Ales Gorza (SLO)          +1,62
    13.  Ryan Semple (CAN)         +1,65
    14.  Erik Schlopy (USA)        +1,83
    15.  Fredrik Nyberg (SWE)      +1,84
    16.  Daron Rahlves (USA)       +1,88
    

  • Erster Durchgang:

    1.  Daron Rahlves (USA)      1:24,45
    2.  Hermann Maier (AUT)        +0,60
    3.  Jean-Philippe Roy (CAN)    +0,88
    4.  Kalle Palander (FIN)       +0,99
    5.  Massimil. Blardone (ITA)   +1,25
    6.  Dane Spencer (USA)         +1,37
    7.  Benjamin Raich (AUT)       +1,45
    8.  Aksel Lund Svindal (NOR)   +1,58
     .  Thomas Grandi (CAN)        +1,58
    10. Bjarne Solbakken (NOR)     +1,63
    11. Bruno Kernen (SUI)         +1,79
    12. Fredrik Nyberg (SWE)       +1,85
    13. Rainer Schönfelder (AUT)   +2,03
    14. Manfred Mölgg (ITA)        +2,68
    15. James Cochran (USA)        +2,73
          weiter:
         Christoph Gruber (AUT)     +7,34
    

    Ausgeschieden im ersten Durchgang u.a.: Bode Miller (USA), Davide Simoncelli (ITA), Joel Chenal (FRA), Lasse Kjus (NOR), Marco Büchel (LIE)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Hermann Maier kann es selbst nicht fassen.

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