Annan fordert Sanktionen gegen Kinder-Missbrauch als Soldaten

11. Februar 2005, 16:39
posten

Scharfe Kritik an Zwangsrekrutierungen der Tamilen-Rebellen in Sri Lanka - Anzahl der Kindersoldaten sinkt nur langsam

New York/Colombo - UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat Sanktionen gegen die Verantwortlichen für das Rekrutieren von Kindersoldaten gefordert. Die Vereinten Nationen müssten alle Gruppierungen und Personen, die immer noch Kinder zu Soldaten oder Rebellen machen, mit internationalen Strafmaßnahmen unter Druck setzen, verlangte er am Mittwoch (Ortszeit) in einem Bericht an den Weltsicherheitsrat.

Dazu sollten nach Annans Vorstellungen Verbote von Waffenlieferungen an die betreffenden Länder gehören. Zudem könnten alle Staaten verpflichtet werden, Auslandsreisen der Anführer von Gruppierungen zu unterbinden, die Kinder als Kämpfer einsetzen. Auch alle internationalen Bankgeschäfte der am Einsatz von Kindersoldaten Beteiligten sollten unterbunden werden.

Es sei an der Zeit, "den Worten Taten folgen zu lassen", sagte der UNO-Sonderbeauftragte für Kinder in bewaffneten Konflikten, Olara Otunnu. Er wies darauf hin, dass der UNO-Generalsekretär bereits seit Jahren immer wieder auf die Notlage von Kindern in bewaffneten Konflikten aufmerksam gemacht und den Sicherheitsrat zum Handeln aufgefordert habe.

Anzahl der Kindersoldaten sinkt nur langsam

Nach Angaben Otunnus ist die Zahl der Minderjährigen, die weltweit als bewaffnete Kämpfer missbraucht werden, trotz aller Appelle in den vergangenen zwei Jahren nur um etwa 50.000 auf etwa rund 300.000 zurückgegangen. Derzeit setzten weltweit 54 Gruppierungen Kinder als Soldaten ein. Häufig werde bei der Rekrutierung brutale Gewalt angewendet.

Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei in bewaffneten Konflikten weit verbreitet. So seien in dem westafrikanischen Land Liberia hunderte Mädchen nach der Zwangsrekrutierung durch Rebellen auch sexuell ausgebeutet worden. Die meisten Kindersoldaten gibt es in den afrikanischen Ländern Burundi, Cote d'Ivoire, Kongo, Somalia, Sudan und Uganda. Minderjährige würden auch in asiatischen Ländern wie Nepal, den Philippinen und Sri Lanka als Kämpfer missbraucht.

Ausdrücklich kritisierte Annan in seinem Bericht die Rebellenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in Sri Lanka wegen der Zwangsrekrutierung tausender Kindersoldaten. Seit Mai 2001 habe die im Norden und Osten des Landes herrschende LTTE mehr als 4.700 Kinder als Rebellenkämpfer verpflichtet, erklärte Annan. Manche Kinder seien im Alter von nur elf Jahren eingezogen worden.

Die LTTE zwinge in vielen Fällen Minderjährige unter Gewaltandrohung zum Dienst in ihren Reihen, berichtete Annan. Kinder würden etwa auf dem Schulweg oder bei religiösen Festen entführt sowie Eltern und Lehrer geschlagen, die sich dagegen wehrten. Viele der zwangsverpflichteten Kinder seien Mädchen. Von den insgesamt in den vergangenen vier Jahren eingezogenen 4.700 Kindern seien etwa 2.900 mittlerweile wieder zu ihren Familien zurückgekehrt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein neunjährige Kindersoldat in Liberia.

Share if you care.