Das DÖW - Widerstandsforschung seit 1963

11. Februar 2005, 12:31
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Seit Dezember 2004 ist Brigitte Bailer-Galanda neue wissenschaftliche Leiterin

Wien - Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) wurde 1963 von einigen ehemaligen Widerstandskämpfern, KZ-Häftlingen und Verfolgten sowie von einigen engagierten Wissenschaftern gegründet. 20 Jahre arbeitete man als Verein auf ehrenamtlicher Basis, erst 1983 wurde die von der Republik und der Stadt Wien getragene Stiftung ins Leben gerufen. Damals wurde Wolfgang Neugebauer wissenschaftlicher Leiter. Er wurde im Dezember des Vorjahres von Brigitte Bailer-Galanda abgelöst. Als DÖW-Präsident fungiert Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger.

Schwerpunkt des DÖW war zunächst der Aufbau einer Widerstandsforschung. 1970 wurde mit den Arbeiten für die mittlerweile 13 Bände umfassende Reihe "Widerstand und Verfolgung in den österreichischen Bundesländern" begonnen; später wurden diese Dokumenteneditionen durch ein Oral-history-Projekt ergänzt, von dem inzwischen über 2.700 Kassetten von 830 Interviews vorliegen und vier Bände (über Arbeiterbewegung, katholisch-konservatives Lager, Juden, Kärntner Slowenen) publiziert sind.

Zweiter Schwerpunkt waren von Anfang alle Formen der NS-Verfolgung; das DÖW lieferte die ersten wissenschaftlichen Arbeiten zu den Themen Juden- und "Zigeuner"-Verfolgung in Österreich. Bekannt ist das Großprojekt der namentlichen Erfassung der österreichischen Holocaustopfer. Weiters bemühte sich das DÖW um die Erforschung des Schicksals der mehr als 130.000 1938 aus Österreich Vertriebenen, publiziert in der Reihe "Österreicher im Exil".

In den späten siebziger Jahren begann das DÖW, sich mit dem aktuellen Rechtsextremismus auseinander zu setzen. 1979 wurde erstmals das umfangreiche Werk "Rechtsextremismus in Österreich nach 1945" publiziert. 1993 wurde ein völlig neu strukturiertes "Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus" herausgebracht, mit drei Auflagen mit 20.000 Exemplaren ein "Bestseller" - und wegen der Auseinandersetzung mit der "dominierenden Rolle der Haider-FPÖ im Rechtsextremismus" Anlass für heftige Angriffe Jörg Haiders.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich das DÖW verstärkt auch dem Thema "Revisionismus" gewidmet. 1991 wurde gemeinsam mit dem Unterrichtsministerium die Publikation "Amoklauf gegen die Wirklichkeit" herausgebracht, 1995 erschien eine überarbeitete, um deutsche Bezüge erweiterte Fassung unter dem Titel "Wahrheit und Auschwitzlüge". (APA)

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