Bailer-Galanda: Bund "seit geraumer Zeit schwerhörig für Anliegen des DÖW"

10. Februar 2005, 13:08
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Dauerausstellung des Dokumentationsarchivs wird überarbeitet - Wiens Kulturstadtrat Mailath-Pokorny appelliert an die Regierung, sich an den Kosten zu beteiligen

Wien - Mit der Neugestaltung seiner Dauerausstellung wird sich das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) am Gedenkjahr 2005 beteiligen. Der inhaltliche Bogen soll von der Vorgeschichte des Nationalsozialismus über den Widerstand bis zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Zweiten Republik reichen, sagte die wissenschaftliche Leiterin des DÖW, Brigitte Bailer-Galanda, am Donnerstag bei der Präsentation der Pläne. Kritik gab es am Bund, der sich nicht an der Finanzierung der Überarbeitung beteiligt.

Für die inhaltliche und technische Überarbeitung der 25 Jahre alten ständigen DÖW-Ausstellung stellt nun die Stadt Wien 400.000 Euro zur Verfügung. Weitere 25.000 Euro gibt es von Seiten der Stadt als Gebäudeerhalter, wie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) mitteilte. Das DÖW befindet sich im Alten Rathaus in der Wiener Innenstadt.

Signal

Man wolle mit der Finanzierung ein Signal setzen, dass man über den "Event-Charakter hinaus" etwas Bleibendes schaffen wolle, so Mailath-Pokorny. Wenn man die Zweite Republik als "Anti-These" zum Nationalsozialismus sehe, dann müsse es auch Orte geben, die das dokumentieren. In diesem Zusammenhang übte der Stadtrat heftige Kritik am freiheitlichen EU-Abgeordneten Andreas Mölzer, der zuletzt gemeint hatte, das heutige Österreich müsse keine Mitverantwortung für die Verbrechen in Auschwitz übernehmen. Das sei eine "Beschädigung Österreichs und der österreichischen Identität", so Mailath-Pokorny.

Er forderte nochmals den Bund auf, sich an der Finanzierung der Ausstellung zu beteiligen. Es stünde dem Bund gut an, nicht nur in Events sondern auch in nachhaltige Projekte zu investieren. Auch Bailer-Galanda zeigte sich enttäuscht, dass man auf Bundesebene "seit geraumer Zeit schwerhörig" für die Anliegen des DÖW sei.

"Kernkompetenzen"

Inhaltlich will sie sich bei der Ausstellung auf die "Kernkompetenzen" des DÖW konzentrieren. Bisher stand vor allem der Widerstand im Mittelpunkt. Nun will man aber auch verstärkt die Vorgeschichte des Anschlusses bzw. des Antisemitismus sowie auch den autoritären Ständestaat miteinbeziehen. Breiten Raum werde auch das Thema Propaganda und Sozialdemagogie sowie die Verfolgung von Juden und anderer Gruppen wie Roma und Sinti einnehmen. Nicht ausgeblendet bleiben sollen die Themen Exil, NS-Medizinverbrechen und Zwangsarbeit. Die Ausstellung werde auch nicht mit dem Jahr 1945 enden, erläuterte Bailer-Galanda. Man wolle beleuchten, wie man in der Zweiten Republik mit den NS-Verbrechen und den NS-Opfern umgegangen ist und sich auch dem Thema Holocaust-Leugnung widmen.

Mit den Umbauarbeiten wird voraussichtlich im März begonnen. Eröffnet werden soll die neue Ausstellung dann am Nationalfeiertag am 26. Oktober. (APA)

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DÖW

  • DÖW-Chefin Bailer-Galanda Brigitte Bailer-Galanda.
    foto: standard/cremer

    DÖW-Chefin Bailer-Galanda Brigitte Bailer-Galanda.

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