Ruth Klüger sagt Rede in Dresden wegen NPD ab

10. Februar 2005, 12:13
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Jüdische Germanistin will nicht während RechtsextremistInnen-
Aufmarsch an einem "politischen Spektakel" teilnehmen

Dresden - Die jüdische Germanistin und Holocaust-Überlebende Ruth Klüger hat einen Vortag in Dresden wegen einer dort geplanten NPD-Demonstration abgesagt. Nach einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" (Donnerstag-Ausgabe) verwies die 73-Jährige auf den angekündigten Aufmarsch von Rechtsextremisten am kommenden Sonntag, den 60. Jahrestag der Zerstörung Dresdens kurz vor Kriegsende.

In einem Brief an das Staatsschauspiel habe Klüger mitgeteilt, dass sie an einem politischen Spektakel nicht teilnehmen wolle, bestätigte der Sprecher des Theaters, Wilm Heinrich, am Mittwoch. Klüger, die nach dem Krieg in die USA emigrierte, sollte am Sonntag ihren Vortrag in der Reihe "Dresdner Reden" im Schauspielhaus halten.

"...wird daraus unweigerlich ein politisches Spektakel"

"Wenn eine ehemals verfolgte Jüdin - und als solche bin ich in Deutschland vor allem bekannt - im Staatsschauspiel einen Vortrag über einen verfolgten Juden, nämlich Victor Klemperer, hält, während auf der Straße tausende judenfeindliche Parteianhänger demonstrieren, so wird daraus unweigerlich ein politisches Spektakel", schrieb sie dem Zeitungsbericht zufolge.

Die gebürtige Wienerin wurde als Zwölfjährige mit ihrer Mutter ins Konzentrationslager verschleppt. Beide überlebten Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und das Arbeitslager Christianstadt. Ihre 1992 erschienenen Memoiren "weiter leben" sind hoch gelobt und mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. (APA/dpa)

  • Ruth Klüger
    foto: der standard/fischer
    Ruth Klüger
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