Sharon kündigt Freilassung von Häftlingen "mit Blut an den Händen" an

11. Februar 2005, 20:49
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Israels Premier gegen Referendum zum Gaza-Abzug - Neuen Chef des Inlands-Geheimdienstes Shin Bet ernannt

Tel Aviv - Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hat erstmals die Freilassung palästinensischer Häftlinge angekündigt, die Israelis getötet haben. In einem Interview der israelischen Zeitung "Haaretz" (Donnerstagausgabe) sagte Sharon, er habe dies dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas auf dem Nahost-Gipfel im ägyptischen Sharm al Sheikh zugesagt. Häftlinge mit "Blut an den Händen" sollten dann auf freien Fuß gesetzt werden, wenn der Abzug aus dem Gazastreifen ruhig verlaufe. Zugleich bekräftigte Sharon, es werde keine Volksabstimmung über den Gaza-Abzug geben.

Sharon betonte, die Freilassung seit langer Zeit inhaftierter Palästinenser, die Israelis getötet haben, sei für die andere Seite von entscheidender Bedeutung. "Sie sagen ganz offen: 'Wir haben diese Leute (damals) zu den Aktionen geschickt, und wir reisen frei in Hotels in aller Welt, und sie unterstützen ihn (Abbas) heute'", sagte Sharon. "Er (Abbas) sagte mir, dies sei ganz einfach eine entscheidende Frage." Die Palästinenser fordern die Freilassung aller etwa 8000 Häftlinge, während Israel bisher nur etwa 900 innerhalb von drei Monaten auf freien Fuß setzen will.

Kein Referendum zum Gaza-Abzug

Ungeachtet wachsenden Drucks auch innerhalb seiner eigenen Likud-Partei bekräftigte Sharon, er sei nicht zu einem Referendum über den Gaza-Abzug bereit. Seine Gegner wollten mit einer Volksbefragung nur Zeit gewinnen, um den Abzug zu vereiteln, betonte Sharon.

Sharon hat Yuval Diskin (49) zum neuen Chef des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet ernannt. Israelische Medien berichteten am Donnerstag, Diskin werde das Amt Anfang Mai von seinem Vorgänger Avi Dichter übernehmen, der die Organisation fünf Jahre geleitet hatte. Diskin, der bereits von 2000 bis 2003 stellvertretender Leiter des Shin Bet war, gilt als ambitioniert und charismatisch. Israelische Medien beschreiben den 49-Jährigen als "Philosophen, der auch zu kämpfen weiß". Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der zu einseitig nur auf Israels Sicherheit konzentriert gewesen sei, zeichne ihn eine weltoffene und weitsichtige Denkweise aus. (APA/dpa)

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