Der Nordkorea-Atomkonflikt

12. Dezember 2005, 15:03
3 Postings

Vom Beitritt Pjöngjangs zum Sperrvertrag bis zur Bekanntgabe des Waffenbesitzes

Washington/Pjöngjang - Nordkorea wird seit Jahren von der internationalen Gemeinschaft verdächtigt, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Nun hat die Führung in Pjöngjang erstmals offiziell den Besitz von Nuklearwaffen "zur Selbstverteidigung" zugegeben.

1985
- Nordkorea tritt dem Atomwaffensperrvertrag bei.

1992
- Das Parlament in Pjöngjang ratifiziert unter Vorbehalt eine Vereinbarung mit der Internationalen Atomenergie- Organisation (IAEO) über die Inspektion seiner Atomanlagen. Nordkorea übergibt der IAEO eine Liste seiner bisher geheim gehaltenen Anlagen.

1993
- Nordkorea informiert den UNO-Sicherheitsrat über seine Absicht, aus dem Atomwaffensperrvertrag auszusteigen. Unmittelbar vor Ablauf der Kündigungsfrist zieht Nordkorea seine Austrittserklärung zurück.

1994
- Die USA und Nordkorea unterzeichnen in Genf ein Nuklearabkommen: Pjöngjang stellt sein laufendes Atomprogramm ein, Washington sagt im Gegenzug Leichtwasserreaktoren und Öllieferungen zu.

1998
- Eine nordkoreanische Rakete fliegt (im August) über Japan und schlägt im Pazifik ein. Nordkorea dementiert, einen Raketentest durchgeführt zu haben. Vielmehr sei ein Satellit ins All befördert worden.

- Die USA verlangen die Untersuchung nordkoreanischer Atomanlagen, in denen angeblich das atomwaffenfähige Element Plutonium hergestellt werden kann.

1999
- Nordkorea stimmt nach monatelangen Verhandlungen der Inspektion der umstrittenen unterirdischen Kumchang-ni-Anlage in der Nähe der Stadt Yongbyon zu.

- Eine amerikanische Expertengruppe beginnt mit der Inspektion. Im Mai geben die USA bekannt, dass das Tunnelsystem nahe Yongbyon nicht zur Herstellung von Atomwaffen geeignet ist. Die USA lockern erstmals die Wirtschaftssanktionen.

2000
- Gespräche USA-Nordkorea enden ohne Annäherung.

2001
- Pjöngjang gibt bekannt, dass es die Wiederaufnahme der Raketentests erwägt, wenn die USA sich nicht zu neuen Gesprächen bereit zeigen. Nordkorea lehnt die Inspektion seines Atomprogramms und seiner Raketenproduktion durch Experten der Vereinten Nationen ab.

2002
- US-Präsident George W. Bush wirft in seiner Botschaft zur Lage der Nation Nordkorea, dem Irak und dem Iran in der bisher schärfsten Form vor, sich als "Achse des Bösen" um den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu bemühen. Im Oktober fliegt ein US-Gesandter zu Gesprächen nach Pjöngjang.

- Nordkorea gibt die Existenz eines geheimen Atomwaffenprogramms zu und erklärt, dass es sich nicht mehr an den 1994 mit Washington geschlossenen Vertrag gebunden fühlt.

- Im November versichert Nordkorea, es habe keine Atomwaffen, sei aber zum Besitz solcher Waffen "berechtigt".

- Im Dezember kündigt Pjöngjang an, es werde seine Reaktoren zur Energiegewinnung wieder anfahren. Zur Begründung wird auf den Stopp der US-Heizöllieferungen hingewiesen. Nordkorea weist die Inspektoren der IAEO aus.

2003
- Die IAEO verlangt die Rückkehr der Kontrollore. Sonst müsse der UNO-Sicherheitsrat eingeschaltet werden, der Sanktionen verhängen kann.

- Nordkorea erklärt seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag.

2005
- Nordkorea gibt erstmals offiziell den Besitz von Atomwaffen zu.

(APA)

Share if you care.