USA sollen Atomwaffen aus Griechenland abgezogen haben

10. Februar 2005, 15:23
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Laut privater Studie von Verteidigungsexperten

Washington - Die USA haben einer privaten Studie zufolge stillschweigend ihre Atomwaffen aus Griechenland abgezogen. Griechenland wäre demnach der erste NATO-Bündnispartner, aus dem die im Kalten Krieg stationierten amerikanischen Atomwaffen abgezogen wurden, schrieb der frühere US-Geheimdienstoffizier William Arkin in seinem Buch "Code Names". Sein im vergangenen Monat veröffentlichtes Buch wurde am Mittwoch in einer Studie des Natural Resources Council vorgestellt, einer privaten Gruppe, die für Rüstungskontrolle eintritt.

Der Abzug der letzten US-Atombomben von dem griechischen Luftwaffenstützpunkt Araxos wurde Arkin zufolge von einer streng geheimen "Direktive 74" Ende November 2000 noch von Präsident Bill Clinton angeordnet und im Frühjahr 2001 - also am Anfang der ersten Amtszeit von Präsident George W. Bush - umgesetzt. Arkin sagte, der Rückzug aus Griechenland könnte zum Ende des lange in der NATO geltenden Prinzips der "Lastenteilung" bei der Stationierung von US-Atomwaffen führen. Die nach dem NATO-Doppelbeschluss in Deutschland und anderen NATO-Ländern stationierten Atomraketen sind Anfang der 90er Jahre abgezogen worden. Atombomben für die Luftwaffe sind aber weiterhin in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Türkei gelagert. Arkin zufolge könnten es bis zu 480 sein, andere Experten schätzen die Zahl auf unter 200.

US-Außenministerium will sich nicht äußern

Das US-Verteidigungsministerium teilte mit, es äußere sich grundsätzlich nicht über die im Ausland stationierten Atomwaffen. Außerhalb der USA befinden sich amerikanische Atomwaffen in Europa und in U-Booten.

Der Abzug aus Griechenland ist der Studie zufolge eine Konsequenz aus der griechischen Entscheidung, seine Bombenflugzeuge für deren Transport Ende der 90er Jahre nicht zu modernisieren, sagte Arkin. 1991 seien aus der Türkei und 1993 aus Italien US-Atombomben abgezogen worden, andere aber noch in diesen Ländern verblieben. "Der Trend scheint klar: Die atomare Lastenteilung und der NATO, was Atomwaffeneinsätze durch die Stationierungsländer betrifft, verringert sich langsam aber stetig", hieß es in der Studie. Arkin hat bereits mehrere Bücher über Atomwaffen und andere militärische Themen veröffentlicht. (APA/AP)

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