China: Amnesty kritisiert drastische Häufung von Exekutionen

11. Februar 2005, 15:49
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Vor dem chinesischen Neujahrsfest sind 200 Menschen im Schnellverfahren exekutiert worden

Peking - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) kritisiert die drastische Häufung von Hinrichtungen in China. Vor dem chinesischen Neujahrsfest sind in der Volksrepublik 200 Menschen im Schnellverfahren exekutiert worden; innerhalb der vergangenen zwei Wochen, hieß es in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung von Amnesty. Zudem seien in den Monaten Dezember und Jänner insgesamt mindestens 650 Menschen hingerichtet worden. All dies stelle eine deutliche Steigerung dar.

Die chinesischen Behörden glaubten offenbar, ihren Bürgern mit der schnellen Ausschaltung von verurteilten Kriminellen mehr Sicherheit zum Neujahrsfest bieten zu können. Es sei jedoch ein Trugschluss zu meinen, dass die Todesstrafe von Verbrechen abschrecke.

Die meisten Hinrichtungen der Welt

Amnesty zufolge werden in China die meisten Hinrichtungen der Welt vollstreckt. Oft erhielten die Verurteilten kein faires Gerichtsverfahren, da Geständnisse mit Folter erpresst würden und Angeklagten nur einen eingeschränkten Rechtsbeistand erhielten.

Weiterhin besteht der Vorwurf, chinesische Behörden würden mit Organen der Hingerichteten handeln. Zum Tode Verurteilte würden "je nach Bedarf" exekutiert, entnommene Organe zu hohen Preisen ins Ausland verkauft.

Amnesty appellierte an die Regierung in Peking, die Exekutionen einzustellen. Außerdem wurden die Länder der Europäischen Union aufgerufen, die Menschenrechtslage in China bei den Erörterungen einer möglichen Aufhebung des Waffenembargos gegen China auf keinen Fall außer Acht zu lassen. (AP, DER STANDARD Printausgabe 10.2.2005)

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