Diplomatische Hilfe für Straßenmusiker nach Polizeiaktion

14. Februar 2005, 15:44
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In einem kleinen slowakischen Dorf ist es Gesprächsthema: Dem Koloman und seinen Freunden haben sie in Wien die Instrumente weggenommen

Wien/Bratislava - In einem kleinen slowakischen Dorf nahe der Grenze zu Ungarn ist es seit Tagen Gesprächsthema: Dem Koloman H. und seinen beiden Freunden, gemeinsam ein Straßenmusikantentrio, haben sie in Wien die Instrumente weggenommen. Nicht gestohlen, sondern von der Polizei als vorläufige Sicherstellung abgenommen, weil sich die drei Roma eine Verwaltungsstrafe wegen "Bettelmusizierens" nicht leisten hatten können - DER STANDARD berichtete. Mittwoch kam aus der slowakischen Botschaft in Wien gute Nachricht in das kleine Dorf: Geige und beide Ziehharmonikas sind auf dem Heimweg.

Sammlung nach Polizeiaktion

Zu verdanken ist das einer Privatinitiative rund um die Wiener Psychotherapeutin Silvia Franke, die die Polizeiaktion im ORF-Report gesehen hatte und empört darüber war, dass Straßenmusikern so einfach die Lebensgrundlage entzogen werden kann. Im Bekanntenkreis sammelte sie die ausständigen 210 Euro. Da aber niemand eine Strafe für wildfremde Menschen begleichen kann, musste die Botschaft der Slowakischen Republik in Wien eingeschaltet werden. Also deponierte Jana Dvorecka, die Leiterin der Konsularabteilung, am Mittwoch das Geld im Polizeikommissariat Deutschmeisterplatz in der Wiener Innenstadt und erhielt im Gegenzug die Instrumente, die in weiterer Folge im slowakischen Außenministerium in Bratislava hinterlegt werden.

Die Polizei betont, dass sie nicht anders handeln hatte können. Das Trio habe keine magistratische Standplatzbewilligung fürs Straßenmusizieren gehabt, außerdem sei einer der drei unter den Zuhörern absammeln gegangen. Aktives Betteln ist nicht erlaubt, ein auf dem Boden liegender Hut hingegen wird toleriert. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe 10.2.2005)

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