"Musikerexil in Frankreich" als Ausstellungsthema

14. Februar 2005, 13:55
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Kleine Schau im Wiener Palais Clam Gallas stellt exemplarisch zwei Schicksale einander gegenüber

Wien - Die Bedeutung Frankreichs als Aufnahmeland von Komponisten, Dirigenten und Interpreten aus "Deutschland, Österreich, und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Donaumonarchie" (Pressetext) wird unter dem Titel "Musikerexil in Frankreich" ab 10. Februar in der Aula des Palais Clam Gallas präsentiert. Die Ausstellung findet im Rahmen des Frankreich-Festivals "Douce France?" statt. Im Mittelpunkt der kleinen Schau stehen die beiden aus Lemberg (Ukraine) stammenden Komponisten Norbert Glanzberg und Joseph Beer.

Scheitern und Chance

Während Glanzberg bereits 1933 von Berlin aus nach Frankreich flüchtete und dort Anschluss fand, ging Beer erst 1938 ins Exil. Für den einst als Operettenkomponisten Gefeierten endete damit die Karriere, da es ihm nicht gelang, sich in seiner neuen Heimat ein Netzwerk aufzubauen. Am 23. Februar erinnert im Rahmen eines Konzerts im Festsaal des Magistratischen Bezirksamts für den 2. Bezirk seine Tochter Béatrice Beer an ihren Vater und singt seine schönsten Arien.

Glanzberg dagegen fasste im Exil Fuß. Er schrieb Kompositionen für Weltstars des Chansons wie Edith Piaf, Yves Montand und Petula Clark und wurde auch erfolgreicher Filmkomponist. Ab 1983 wandte er sich verstärkt seinen jüdischen Wurzeln zu, vertonte "Holocaust-Lieder" und komponierte die "Suite Yiddish". 2001 starb er in Neuilly bei Paris.

Vorklänge auf "Douce France"

Eine Säule mit neun Klangboxen bietet Interessierten die Möglichkeit, neben dem Titelsong des Festivals "Douce France" kurze Tonfragmente einiger nach Frankreich geflohener Musikschaffender auf Knopfdruck abzurufen. In vier weiteren Vitrinen und auf Ausstellungswänden werden unter anderem Fotos, Dokumente (darunter gefälschte Ausweise) und Programmzettel gezeigt.

Die Ausstellung wird von einem wissenschaftlichen Symposion begleitet und soll keine umfassende Rückschau oder komplette Bestandsaufnahme sein. Sie will am Beginn der Exilmusikforschung neue Impulse setzen und einen regeren Informationsaustausch initiieren. Gerade im Zusammenhang mit dem heuer begangenen Gedenkjahr der zweiten Republik sei es wichtig auf bisher unaufgearbeitete Kapitel der Vergangenheit hinzuweisen, betonte Michel Cullin von der Arbeitsstelle für österreichisch-französische Beziehungen der Diplomatischen Akademie Wien, bei der Pressekonferenz am Mittwoch. (APA)

Service

"Musikerexil in Frankreich": 10. Februar - 6. März von Montag bis Freitag 9 - 20 Uhr im Palais Clam Gallas, Währingerstraße 30, 1090 Wien. Der Eintritt ist frei.

Konzert "A Daughter's Tribute to Her Father's Music" am 23. Februar um 19.30 Uhr im Magistratischen Bezirksamt für den 2. Bezirk, Karmelitergasse 9

Link

orpheustrust.at

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