Giro(zentrale) d'Italia

2. Februar 2007, 10:22
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Ein skandinavischer Hotelkonzern machte in Wien mit einer englischen Architektin aus einer Bank ein Designhotel samt dem italienischem Restaurant "Sapori"

Die Vorgaben des Denkmalamtes haben den Umbau des 1919 von Franz Krásny errichteten Bankgebäudes in der Wiener Herrengasse sicher nicht gerade beschleunigt. Und die Vorgaben des Hotelkonzerns sollen sich auch nicht gerade dynamisierend auf die Fertigstellung des SAS-Style-Hotels ausgewirkt haben, hört man. Während der vergangenen sechs Wochen schienen jedenfalls zumindest das Restaurant "Sapori" und die Weinbar "H12" schon einigermaßen betriebsbereit zu sein, die Küche - von der Wallnerstraße gut einsehbar - blieb dennoch kalt.

Ende Jänner raffte man sich dann aber doch auf, und das ist gut, denn schließlich gab es in Wien schon länger kein italienisches Restaurant mit derart hohen Qualitätsansprüchen mehr: Der junge Küchenchef Lorenzo Dimartino machte Station in einigen der besten Restaurants in Mailand ("La Terrazza di Via Palestro"); Maître Tonino Calabrese gilt nicht nur als einer der charmantesten Service-Chefs in Österreich, sondern konnte während seiner 30-jährigen Tätigkeit im Sacher sogar einmal den Titel "Maître des Jahres" erringen; und die Designerin Maria Vafiadis gilt in London als eine der Spezialistinnen für Edelhotels mit kontemporärem Anspruch.

Kontemporäre italienische Küche lautet demnach auch Dimartinos Küchenphilosophie, was jetzt schlimmer klingt, als es tatsächlich ist. Denn die Nudeln werden in der Küche des "Sapori" selbst gemacht, mit zwanghaft originellen Vereinigungen zwischen mediterranen und asiatischen Aromen hält man sich zurück, ein bisschen leichter und bunter als zu Hause bei Mamma ist es vielleicht.

Das Amuse-Gueule, zum Beispiel

... ist eine gebratene Jakobsmuschel in einem Erdäpfel-Lauch-Püree, und die dünn geschnittene Tranche von der gefüllten Spanferkelkeule weist bis auf ein paar Körnderln Granatapfel nur wenig "Kontemporarität" auf, dafür umso mehr wunderbaren Porchetta-Geschmack (€ 14). Recht erfreulich auch das Vorspeisen-Konglomerat "Sapori di Mare", bestehend aus einem Gupf exzellenten Stockfisch-Kartoffelpürees, einem eher langweiligen Tunfisch-Carpaccio, einem in Zitrone kalt gegarten Scampo-Schwanz (mit Darm - muss das sein?) und einer tadellosen Octopus-Terrine (€ 18); am besten aber der leicht gegrillte, piemontesische Tomino-Käse mit gegrillten Polenta-Talern - intensiv und köstlich (€ 15).

Auch eher klassisch die hausgemachten Pappardelle mit in Nebbiolo gebeiztem Feldhasen und grob geraspeltem Pecorino, in dieser Prägnanz in Wien nicht oft zu bekommen (€ 10 / 14), ebenfalls schlicht und sehr, sehr gut die massiv dimensionierten Maccheroni mit Spargelcreme, Grünspargel und doch recht dick gehobelter Schwarztrüffel (€ 12 / 16). Etwas modernistischer wird's dann bei Dimartinos Icon-Gericht, den Wolfsbarsch-Ravioli mit gebratenen Garnelen auf Bohnencreme, man hat die Wahl. Bei den Hauptspeisen geben sich Ingwer, Tunfisch, Sesamkruste & Co dann schon selbstbewusster, das zarte Ragout vom Rotbarsch mit Kapernbeeren, heurigen Kartoffeln und einer leichten Sauce zeigt aber, dass das alles gar nicht so sehr notwendig ist (€ 26).

Qualitativ spielt das "Sapori" bei Wiens Topitalienern wie "Fabios", "Novelli" und "Cantinetta Antinori" zweifellos mit, bei der Auswahl der offenen Weine leider nicht, beim Preisniveau dafür wieder umso mehr.
(Florian Holzer/Der Standard/rondo/11/02/2005)

Sapori
Herrengasse 12
1010 Wien
Tel. 01 / 22 780-3400
Mo-Sa 12-15, 18-24 Uhr
  • Der aktuelle Edelitaliener: "Sapori"im neuen SAS-Style-Hotel mit "kontemporärer italienischer Küche".
    foto: gerhard wasserbauer

    Der aktuelle Edelitaliener: "Sapori"im neuen SAS-Style-Hotel mit "kontemporärer italienischer Küche".

  • Fotos: Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer
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