Valentinstag vergessen

14. Februar 2005, 17:31
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++PRO & CONTRA--: Feiertage gehören generell abgeschafft - Oder: Ein Fest für Gärtner, Floristen und Parfumeure

+++ Pro
Von Fritz Neumann

Feiertage gehörten samt und sonders abgeschafft, Weihnachten und Ostern könnten tatsächlich zusammenfallen, und sie wären mir immer noch wurscht, Geburtstage werden überschätzt, Namenstage, dass ich nicht lache. Jubiläen sollten generell nicht be-, sondern übergangen werden. Als Tradition geht einzig und allein die Falco-Nacht im U4 noch durch, das Brauchtum nenne ich Brauchnichttum.

Der größte Witz indes heißt Valentinstag, an ihm ist wie an so vielen unnötigen Tagen die Kirche zumindest mit schuld. Sie vereinnahmte einen Brauch der alten Römer, die im Februar der Göttin Juno, Schützerin von Ehe und Familie, gedachten und ihren Frauen Blumen schenkten. Das Christentum schrieb den Ritus einem Priester namens Valentin zu, der mehr oder weniger zufällig an einem 14. Februar, jenem des Jahrs 269, hingerichtet wurde, weil er illegale Trauungen vornahm. Valentin wurde als Märtyrer heilig gesprochen, das reichte ihm wohl nicht.

Es gibt Menschen, die haben einen Filofax oder nichts Besseres zu tun, als sich mit Handy- oder Outlook-Erinnerungsfunktionen zu beschäftigen. Dort tragen sie Geburts- und Namens- und Valentinstage ein, dann piepst es täglich bei ihnen. Ich schau auf dem Heimweg oft im Blumengeschäft vorbei. Stets nehm ich eine Rose, es geht ja primär um das Zeichen. An Tagen, an denen jeder diese Geste setzt, verzichte ich gern auf sie, da können mir Blumen gestohlen bleiben. Es sei denn, ich hab echt drauf vergessen, den Valentinstag zu vergessen.

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Contra- - -
Von Benno Zelsacher

Allzu viele Tage im Jahr sind es ja nicht, die einem keinen Denkanstoß in die Richtung liefern, einen geliebten, geschätzten, bewunderten und nicht zuletzt angetrauten Menschen zu beglücken. Das Verzwickte an diesen Denkanstößen ist, dass sie oft denkbar knapp an einem vorbeischießen, dass man also eine Woche vor dem Ereignis heftigst angestoßen wird, eine Woche nach dem Ereignis noch heftiger, und just am alles entscheidenden Tag den Kopf woanders und den Kalender nicht zur Hand hat, und das kommt erfahrungsgemäß gar nicht gut.

Weil es eh schon wurscht ist, kann man sich gleich outen und der Welt erzählen, dass man zwar noch nie einen Andrucktermin, aber Geburtstage und - horribile dictu - Hochzeitstage verschwitzt hat, was natürlich nie wieder vorkommen wird. Schön, dass jetzt das Fest der Gärtner, Floristen und Parfumeure ansteht, welches die amerikanischen Blumenhändler 1950 ausriefen. Sie verliehen ihm den Titel "Tag der offenen Herzen".

Dieser Tag ist echt super. Schade dass es nur einen gibt, denn wenn einen der diesbezügliche Denkanstoß verfehlt, ist wenigstens keiner bös außer den Floristen, Gärtnern und Parfumeuren, wobei die Weitsichtigen unter ihnen ein derartiges Versäumnis wohl nicht so eng sehen, schließlich gibt es auch Namenstage, Geburtstage und Hochzeitstage und Menschen, die ihre Lehren aus der Vergangenheit ziehen. Der Heilige Valentin, Märtyrer, Patron der Liebenden, Verlobten und Bienenzüchter, möge verzeihen. (Der Standard/rondo/11/02/2005)

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