"Schnorrermedium" Internet

17. Februar 2005, 20:25
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Paid Content - nur ein zahlender Leser ist ein guter Leser?

Gerlinde Hinterleitner

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Die Zeitungsverlage hätten ihre Inhalte niemals kostenfrei ins Internet stellen sollen, jammern Zeitungsverleger und beschimpfen das Internet als "Schnorrermedium". Nur ein zahlender Leser ist ein guter Leser, dachte sich auch derStandard.at 1995 und führte den Wirtschafts-Standard Online ein.

Foto: derStandard.at

Dem nach Informationen dürstenden Kunden wurden alle Wirtschaftsartikel der Zeitung - und zusätzlich Kurzversionen in englischer Sprache - entweder per E-Mail oder Fax ins Haus geliefert oder direkt abrufbar im Web zur Verfügung gestellt und sollten ihm im Monat 490 ATS wert sein.

Nicht schwer zu erraten, was aus dem Service geworden ist, und trotzdem war es eine lehrreiche Erfahrung.

Dass Paid Content dem schwierigen Onlinemedien-Geschäftsmodell zusätzlichen Income bescheren könnte, erwies und erweist sich als trügerische Hoffnung. Trotzdem gibt es viele Verlage, die auch nach zehn Jahren Erfahrung im Internet noch glauben, mithilfe von Bezahlinhalten die maroden Onlinedivisionen ins Plus führen zu können.

Solche Investitionen sind aber vielmehr ein Zeichen dafür, im Kampf um Onlinereichweite verloren zu haben. Denn nur die reichweitenstärksten Sites mit dem besten Publikum werden ihre Aktivitäten mit Onlinewerbung finanzieren können. Eine Strategie, die sich derStandard.at bereits in den Anfangsjahren zu Eigen gemacht hat.

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