Französisches Parlament stimmt für Lockerung der 35-Stunden-Woche

17. Februar 2005, 15:54
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Künftig Arbeitszeit bis zu 48 Stunden pro Woche möglich - Opposition sieht Aufweichung der Rechte der Beschäftigten

Paris - Das französische Parlament hat am Mittwoch den Weg für eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit geebnet. 370 Abgeordnete der Nationalversammlung stimmten in erster Lesung für die Vorlage, 180 dagegen.

Die konservative Regierung plant eine Lockerung der gesetzlich geregelten 35-Stunden-Woche. Demnach wäre künftig eine Arbeitszeit von bis zu 48 Stunden pro Woche möglich - dies ist die in der EU gültige Obergrenze. Am Wochenende hatten mehrere hunderttausend Franzosen gegen die Sozialpolitik der Regierung demonstriert.

"Jeder soll die Möglichkeit haben, mehr zu arbeiten, um mehr zu verdienen", erklärte die französische Regierung. Die Opposition sah dagegen eine Aufweichung der Rechte der Beschäftigten. In Umfragen hatte sich eine große Mehrheit der Franzosen zufrieden mit der bisherigen Regelung erklärt.

Großkonzerne skeptisch

Viele Großkonzerne wollen zudem die Möglichkeiten des neuen Gesetzes nicht nutzen, weil sie flexible Lösungen für die Arbeitszeitverkürzung gefunden haben.

In der Regierungspartei UMP wird daher befürchtet, die Reform könne sich als "unnötig" erweisen, aber die Zahl der Wähler erhöhen, die beim Referendum über die EU-Verfassung aus Ärger über die Regierung mit "Nein" stimmen wollen.

Überstunden können auf Arbeitszeitkonten gutgeschrieben und später - zum Beispiel durch vorzeitigen Ruhestand - in Freizeit abgegolten werden. Aber auch ein Geldausgleich ist teilweise möglich.

Die Befristung der Arbeitszeitkonten auf fünf Jahre wurde aufgehoben. Kleinbetriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern müssen künftig erst ab der 37. Stunde Lohnzuschläge zahlen. Für sie gilt zudem nur ein Zuschlag von zehn (statt 25) Prozent für die ersten vier Überstunden. (APA/AP)

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