Israel öffnet die Grenzen zum Gazastreifen

10. Februar 2005, 16:38
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Erste Taten nach der Waffenruhe: Pendler dürfen nach Israel einreisen, das Nahost-Quartett wird sich treffen - Radikale Palästinenser versuchen, Neuanfang zu torpedieren

Jerusalem/Ramallah - Als erstes Zugeständnis nach dem Nahost-Gipfel werde Israel die Grenzübergänge am Gaza-Streifen wieder für palästinensische Pendler öffnen. Rund 1000 palästinensische Arbeiter und Kaufleute sollen in den kommenden Tagen wieder nach Israel einreisen dürfen, hieß es am Mittwoch im Verteidigungsministerium in Jerusalem.

Geöffnet werden soll auch der schwer befestigte Grenzübergang Eres im Norden des Gaza-Streifens. Der Grenzposten war in der Vergangenheit oft Anschlagsziel radikaler Palästinenser. Die Bevölkerung in Gaza leidet unter den wirtschaftlichen Folgen der seit Jahren anhaltenden Gewalt und den damit verbundenen Abriegelungen ihrer Gebiete durch Israel.

Um die Friedensbemühungen weiter zu unterstützen wird zudem das aus den USA, der EU, Russland und den Vereinten Nationen bestehende Nahost-Quartett am 1. und 2. März am Rande einer Konferenz über Hilfen für die Palästinenser in London zusammenkommen. Dabei soll vor allem über weitere Finanzhilfen für die Palästinenser gesprochen werden.

Die libanesische Hisbollah-Miliz versucht indes nach Informationen aus palästinensischen Sicherheitskreisen die Friedensbemühungen zu torpedieren. Für Angriffe auf Israel rekrutiere sie dazu radikale Palästinenser, die Selbstmordattentate verüben sollen.

Die meisten militanten Palästinenser-Gruppen hatten erklärt, sich nicht an die Waffenruhe gebunden zu fühlen, die Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas am Dienstag in Sharm el-Sheeikh ausgerufen hatten.

Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Gazastreifen wurde Mittwoch erstmals seit Vereinbarung einer Waffenruhe wieder ein Palästinenser getötet. Nach palästinensischen Angaben kam das 31 Jahre Mitglied des bewaffneten Hamas-Arms Ezzedin al-Kassam bei der versehentlichen Zündung einer Bombe ums Leben, die er am Straßenrand deponieren wollten. Der Sprengsatz habe offenbar einer israelischen Patrouille gegolten. Der Vorfall ereignete sich nahe des Kissufim-Übergangs nach Israel.

Israelische Soldaten nahmen indes in Tubas im nördlichen Westjordanland ein Mitglied der radikalen Al-Aksa-Märtyrerbrigaden fest, die mit der Fatah-Bewegung Mahmud Abbas' verbunden sind. Bei einem anderen Vorfall im nördlichen Westjordanland eröffneten militante Palästinenser das Feuer auf eine israelische Patrouille. Dabei wurde jedoch niemand verletzt. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2005)

  • Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden veruchten noch Dienstagnacht einen ersten Anschlag nach der Waffenruhe von Sharm-el-Sheik.
    foto: epa/saber

    Mitglieder der Al-Aksa-Brigaden veruchten noch Dienstagnacht einen ersten Anschlag nach der Waffenruhe von Sharm-el-Sheik.

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