Hauptsache es glänzt

14. Februar 2005, 21:13
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Zum neunten Mal erweist sich die Kunstmesse "Palm Beach!" als Einkaufseldorado

"Mit Reichtum fertig zu werden ist auch ein Problem." - Der Ausspruch eines ehemaligen deutschen Wirtschaftsministers hat in Palm Beach kaum Gültigkeit.


Locus est omen. Und das betrifft die luxusgewohnte Zielgruppe - Celebrities, finanzkräftige Kunstsammler, Interior Designer und ihre betuchte Klientel - genauso wie das Konzept und das von 101 Teilnehmern ausgebreitete Angebot. Die Jahre, in denen der Event-Vorreiter die als kulturelle Wüste verrufene Region von einer Zeltstadt aus missionierte, sind vorüber.

Seit 2004 residiert man im Convention Center von Palm Beach, man hat sich den Ruf der exklusivsten Messeveranstaltung des Kontinents erworben und will den entsprechenden Erwartungen gerecht werden. Das gelingt mehrheitlich. Über "very rare" bezeichnete Meissen-Massenware und eine Ansammlung keramischer Fließbandprodukte sieht man besser großzügig hinweg.

Derlei Nippes dient in den weitläufigen Luxus-Domizilen vermutlich ohnedies nur als dekorativer Staubfänger. Der Schein ist wichtig, und das lernt man auch bei der Besichtigung von Donald Trumps exklusivem Mar-a-Lago Club.

Das 1927 erbaute Anwesen einer Milliardärserbin strotzt nur so vor europäischen Kunstentlehnungen. Die Qualität des Wandgemäldes im Dining-Room ist da genauso irrelevant wie der Erhaltungszustand. Was zählt, ist das Ausstattungselement als solches. Weshalb die schlampig gearbeiteten Gold-Stuckaturen im neu erbauten Ballsaal des Clubs weniger wahrgenommen werden als die hierfür insgesamt 27 Millionen investierten Dollar.

Insofern weicht das anspruchsvolle Konzept der noch bis zum 13. Februar stattfindenden Palm Beach! ab. Qualitative Fehlkäufe der unter Floridas milder Wintersonne flanierenden amerikanische Highsociety sucht die 44-köpfige Jury zu vermeiden. Man gustiert erst einmal, die Kaufentscheidung trifft ohnedies der persönlichen Interior-Experte. Insofern sind die Interior Designer als Meinungsbildner eine wichtige Zielgruppe des Veranstalters.

Sechs solcher Stars geben vor Ort Einblicke in ihre Arbeitsweise und gestalteten mit ausgewählter Händlerware Schauräume, so genannte "Vignetten". Darunter findet sich etwa der New Yorker Star Joan Montoya: Er arrangierte Möbel von Steinitz (Paris) und Valerio Art Deco (Miami), mit Decorative Art von Joakim von Ditmar (London, New York), Antiquities von Royal Athena Galleries (New York), European Modernism von Toninelli (Monte Carlo) und einem wunderbaren Hagenauer-Pferdekopf von Rita Bucheit (Chicago, $ 12.000).

Juwelen und Ikonen

Auf weitere Objekte österreichischer Provenienz stößt man beim New Yorker 20th-Century-Spezialisten Barry Friedman, hier unzählige Biedermeier-Stühle und -Sofas, oder beim britischen Waffenspezialisten Peter Finer, der die Accessoire-Garnitur einer Galauniform Friedrich Graf v. Száparys für 42.000 Dollar bereit hält.

Bestseller im Bereich angewandter Kunst waren nach dem ersten Wochenende Juwelen. Branchenstar und Stammaussteller Graff (London/New York) vermeldet die bislang beste Vernissage in Palm Beach. Auf reges Interesse stieß die erst vor Kurzem von Downtown (Paris) in Brasilien entdeckte Wohnungsausstattung von Charlotte Perriand, etwa eine 6,5 Meter lange Sitzbank (800.000 Dollar). Dass die sonst in Europa stets führende Sektion bildender Kunst auch in Palm Beach der angewandten den Rang abläuft, darf vermutet werden.

Die durchschnittlichen Preise reichen von 12.000 Dollar für eine russische Ikone aus dem 16. Jahrhundert bei Brenske (München/Hannover), über ein altmeisterliches Winterhalter-Porträt der Prinzessin Murat für 485.000 Dollar bei Colnaghi-Bernheimer (London/München), bis zu 6,5 Millionen Dollar für eine Clowndarstellung Kees van Dongens aus dem Jahr 1905 bei Landau (Montreal).
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2005)

Von
Olga Kronsteiner
  • Der Galerist Russeck aus Palm Beach präsentierte Raoul Dufys "Szenerie in einem Yacht Club" aus dem Jahr 1936.
    foto: palm beach!

    Der Galerist Russeck aus Palm Beach präsentierte Raoul Dufys "Szenerie in einem Yacht Club" aus dem Jahr 1936.

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