Stadion-Bau in Klagenfurt könnte doch noch scheitern

15. Februar 2005, 17:44
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Zustimmung der Landes-Vertreter nach wie vor fraglich - Ex-Haider-Mitarbeiter soll Aus­schreib­ungs­unterlagen weiter gegeben haben

Klagenfurt - Zum zweiten Mal stand das Vergabeverfahren um den Neubau des Klagenfurter EM-Stadions an der Kippe. Und wieder einmal versuchte die Stadt Klagenfurt als Bauherr, am Aschermittwoch das Projekt im Stadtsenat doch noch auf Schiene zu bringen.

FP-Vizebürgermeister Mario Canori folgte den Gutachtern Aicher und Holoubek, die eine Weiterführung des Verfahrens empfohlen hatten, nur widerwillig. Er verlangte die Schad- und Klaglosstellung der Stadt Klagenfurt durch den Bund.

Bis 22. Februar haben nun die Bieter Zeit, ihre Angebote nachzujustieren. Die Vergabekommission soll dann am 7. und 8. März das "last and best offer" ermitteln - einstimmig wie die Gutachter vorgeben, um eine Klagsflut ausgebooteter Bieter zu verhindern.

Fragliche Zustimmung der Landesvertreter

Und genau daran könnte das Stadionprojekt noch immer scheitern. Denn VP-Bürgermeister Harald Scheucher will für die drei Landesvertreter in der Vergabekommission, Franz Widrich, Peter Müller und Alfred Lengger, nicht die Hand ins Feuer legen. Vor allem Ersterer wurde als Hauptverdächtiger der Sabotage gegen das Vergabeverfahren ins Spiel gebracht.

Demnach soll der frühere Mitarbeiter im Büro von Landeshauptmann Jörg Haider und jetzige Konzerthaus-Manager Widrich nicht nur sämtliche Bieterdetails an eine Kärntner Wochenzeitung geliefert, sondern laut einem Aktenvermerk des Kommissions-Leiters Peter Gattermann auch Absprachen zwischen den beiden Bieterkonsortien von Porr-Alpine und Strabag-Siemens-HBM gefordert haben.

Detail am Rande: Da die Strabag in den letzten drei Jahren kein Stadion gebaut hat und damit Ausschreibungsbedingungen nicht erfüllte, musste sie sich während des Verfahrens mit der HBM zusammenschließen.

Telefonüberwachung lenkt verdacht auf Haider

Aus einer Telefonüberwachung des Innenministeriums soll hervorgehen, dass Widrich die Bieterunterlagen auf Wunsch Jörg Haiders an die Wochenzeitung geliefert habe. "Sie sollen das Band auf den Tisch legen", fordert Widrich im STANDARD-Gespräch und weist - ebenso wie Haider - sämtliche Vorwürfe zurück.

Von der Kärntner Wochenzeitung hat Widrich eine Unbedenklichkeitserklärung verlangt. Diese wurde ihm aber mit der Begründung verweigert, eine solche würde den Verdächtigenkreis in unzulässiger Weise einschränken.

Widrich wurde übrigens in der Landesregierung zum Unterabteilungsleiter befördert. Dafür hat noch der scheidende FPÖ-Personalreferent Karl Pfeifenberger gesorgt.

Peter Pilz schaltet sich ein

Mittlerweile hat sich auch der Grüne Peter Pilz des EM-Stadions angenommen. Im STANDARD-Gespräch sagte er: "Selbst wenn die Jury das Verfahren zu einem Ergebnis bringt, bleibt die Frage: Woher hat die Strabag die Insiderinformationen über die Bieterunterlagen?"

Nach der Vergabe will Pilz auch die strafrechtlichen Tatbestände klären: "Es geht nicht, dass der Haider-Sumpf folgenlos bleibt." (stein, cr, (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.02.2005)

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    Ob das Klagenfurter EM-Stadion gebaut werden kann, steht weiterhin nicht fest.

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