Eher genügsamer Exotismus

14. Februar 2005, 13:55
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Das "Kora Jazz Trio" gastiert im Birdland

Wien - Abdullah Ibrahim ist die Legende, die Jazzgeschichte geschrieben hat, die Speerspitze der südafrikanischen Jazzszene, die in Apartheid-Zeiten auch Europa - in Gestalt der Londoner Exil-Community um Chris McGregor - befruchtete. Abseits des Landes am Kap freilich lassen sich die international bekannten Musiker des Schwarzen Kontinents, die sich explizit "Jazz" auf ihre Fahnen geheftet haben, an zwei Händen abzählen. Was einerseits daran liegen mag, dass die ideelle Vereinigung schwarzer Traditionen dies- und jenseits des Atlantiks einfacher zu proklamieren ist, als sie sich in der musikalischen Praxis bewerkstelligen lässt.

Und wohl auch daran, dass die Authentizitätssehnsüchte des westlichen Publikums die Loslösung der Musiker von ihrem kulturellen Hintergrund erschweren: Ein Afrikaner hat nun einmal (auch) afrikanisch zu klingen - so lautet das ungeschriebene Gesetz nicht nur des Weltmusik-Markts. Was zweifellos auch das "Kora Jazz Trio" tut, zu dem sich der aus Guinea stammende Djeli Moussa Diawara (Kora) und seine senegalesischen Kollegen Abdoulaye Diabaté (Klavier) und Moussa Cissoko (Perkussion) zusammengetan haben.

Die Erprobung der Kora, der westafrikanischen Harfe, im Jazzkontext ist ihr Thema - so wie es Charlie Mariano mit dem indischen Nagaswaram oder Miya Masaoka mit der japanischen Koto getan haben. Das klingt zunächst nicht uninteressant, wenn sich die Patterns von Djembe und anderen Trommeln mit den Ostinati des souljazzigen Klaviers ineinander verschränken, um den hellen, filigranen (leider blechern über die Rampe kommenden) Saitenklängen der Kora und den virtuosen Kunststückerln, die Diawara darauf zu vollführen versteht, als Basis zu dienen.

Das wirkt spätestens mit der Interpretation von Charlie Parkers "Now's The Time", das - ohne tiefer gehende Arrangement- oder Improvsiationsideen und also substanziellen Mehrwert dargeboten - wie ein Zirkusstück und verweist doch auf ein allzu gefälliges Konzept, dem die Exotik des Instrumentalklangs als Aussage genügt. (felb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2005)

Bis 12. 2.: Birdland

Infos:
(01) 219 63 93-15
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