Österreicher wollen eine gemeinsame Grundschule

25. Oktober 2006, 14:05
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Laut einer Studie der Arbeiterkammer spricht sich die Mehrheit auch für Ganztags­betreuung und ein Gratis-Vorschuljahr aus

Die Mehrheit der Österreicher hält laut einer von der Arbeiterkammer (AK) in Auftrag gegebenen Ifes-Studie die Einführung einer gemeinsamen Schule für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren für sinnvoll.

72 Prozent sprechen sich für ein verpflichtendes gebührenfreies Vorschuljahr aus, 56 Prozent für ein Recht auf ganztägige Betreuung an den Schulen bis zum 14. Lebensjahr. Im Pisa-Siegerland Finland sind die Gemeinden verpflichtet, allen Kindern ein kostenloses Vorschuljahr zu ermöglichen.

Insgesamt wird die Qualität des heimischen Schulsystems nur mehr durchschnittlich bewertet, mehr als 90 Prozent der Befragten wünschen Reformen.

Für die Studie wurden Mitte Jänner 1000 Personen im Alter von über 16 Jahren befragt. Für eine grundlegende Reform des Bildungssystems plädierten dabei 38 Prozent, für größere Reformschritte ohne viele Änderungen am System 15 Prozent und für kleinere Reformschritte in einzelnen Bereichen 38 Prozent. 54 Prozent der Befragten treten für eine gemeinsame Grundschule der Sechs- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung ein.

Gespalten sind die Österreicher bei der Forderung nach einer verpflichtenden Anwesenheit der Lehrkräfte auch am Nachmittag - 45 Prozent halten dies für sinnvoll, 49 Prozent hingegen für nicht sinnvoll. Klar abgelehnt werden ein Aufsteigen mit zwei Nicht genügend (16 Prozent dafür, 78 Prozent dagegen) und eine Schulpflichtverlängerung auf zehn Jahre (18 Prozent dafür, 78 Prozent dagegen).

Die Forderungen der Arbeiterkammer decken sich größtenteils mit den Umfrageergebnissen. AK-Präsident Herbert Tumpel verlangt den schrittweisen Ausbau flächendeckender ganztägiger Betreuung an den Schulen, mehr Schulversuche für eine gemeinsame Schule und den Ausbau der individuellen Förderung.

Ob das verpflichtende Vorschuljahr im Kindergarten oder in der Volksschule verankert werden soll, sei noch auszudiskutieren, so Tumpel. Er persönlich halte auch eine Mischform für möglich. Dadurch würde sich aber die Schulpflicht von neun auf zehn Jahre erhöhen. Auch ein Teil der Lösung der Lehrstellenproblematik liegt für Tumpel im Schulbereich.

Es sei ein Faktum, dass die Lücke zwischen dem Angebot an Lehrplätzen und der Zahl der Lehrstellensuchenden immer größer werde. Wenn die Argumentation der Wirtschaftskammer stimme, dass ein Großteil der Unternehmen Lehrstellensuchende wegen mangelnder Qualifikationen abweise, müsse dies automatisch zu einer Debatte über die Qualität der Schule führen.

Bei einer (mit weniger Befragten durchgeführten) Umfrage der Info-Illustrierten News in der Vorwoche hatten sich nur 36 Prozent für eine gemeinsame Schule ausgesprochen, 59 Prozent waren für die weitere Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule. (DER STANDARD-Printausgabe, 10.2.2005)

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