TV-Streik vor dem Börsengang der Rai

10. Februar 2005, 14:42
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Mitarbeiter streikten gegen Personalabbau und verhinderten damit die Übertragung des Riesenslaloms von der WM in Bormio

Gegen Personalabbau streikten Mitarbeiter der Rai und verhinderten damit die Übertragung des Riesenslaloms von der Weltmeisterschaft in Bormio. Der geplante Börsegang zwingt die Rai zu drastischen Einsparungen.

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Mehr Publicity ist schwer zu kriegen: Weil die Mitarbeiter des für die WM zuständigen Rai-Studios der Lombardei streikten, entfiel Mittwoch mit der Übertragung auch gleich der Event. Er wird heute, Donnerstag, nachgeholt.

Verschoben wurde soeben auch der Börsegang der Anstalt. Schon dieses Frühjahr sollte "Mamma Rai" auf den Markt. Doch laut Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco wird es nun frühestens Herbst. Siniscalco will durch den Verkauf von 25 bis 30 Prozent der Rai mindestens eine Milliarde Euro in die leere Staatskasse bringen.

Probleme mit der Bewertung

Hinter der Verzögerung sollen Probleme mit der Bewertung des Staatssenders stehen. Zeitungen taxieren die Rai auf 5,5 Milliarden Euro. Analysten sprechen von höchstens vier Milliarden Euro für das Unternehmen, und auch die nur bei radikalen Sparmaßnahmen. Derzeit beschäftigt die Anstalt rund 10.000 Menschen, zehn bis 15 Prozent der Jobs sollen gestrichen werden.

Für den Börsegang muss die Rai künftig getrennt über die Verwendung von Gebühren und von kommerziellen Umsätzen etwa mit Werbung Buch führen. Die EU-Kommission wäre wenig begeistert, würden Gebühren für künftige Dividenden verwendet. Privatsender bemühen sie regelmäßig, weil Gebühren wettbewerbswidrig eingesetzt würden.

Abbau von Kosten

1,4 Milliarden Euro nahm die Rai 2003 aus Gebühren ein, rund eine Milliarde mit Werbung. Nach dem von der Investmentbank Rothschild ausgearbeiteten Geschäftsplan sollen die Gebühren bis 2007 um fünf Euro pro Kopf steigen, die Werbeeinnahmen um jährlich mindestens drei Prozent. Die Rai soll durch Kostenabbau und höhere Einnahmen ihr operatives Ergebnis bis 2007 auf rund zehn Prozent des Umsatzes verdoppeln. Der von Regierungschef Silvio Berlusconi kontrollierte TV-Konzern Mediaset kommt auf 25 Prozent.

Berlusconis TV-Kanäle liegen am Hauptabend vor jenen der Rai und ziehen der Rai Werbekunden ab.

Der Geschäftsplan fordert rigorosen Kostenabbau bei der Rai. Da aber in einem Jahr Parlamentswahlen bevorstehen, gilt rascher Personalabbau als unwahrscheinlich. Rund ein Drittel des Umsatzes gab die Rai 2003 für Personalkosten aus, bei Mediaset war es nur ein Achtel.

Olympia 2006: Eigen Produktionsgesellschaft statt Rai

Dass Streiks gegen Personalabbau auch die Olympischen Spiele 2006 in Turin lahm legen, gilt als unwahrscheinlich. Dort ist nicht die Rai als "Host Broadcaster" für die Übertragung zuständig. Das Olympische Komitee hat dafür eine eigene Produktionsgesellschaft namens Tobo. (Thesy Kness-Bastaroli/DER STANDARD; Printausgabe, 10.2.2005)

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    Wieder verpackt: Ein Mitarbeiter der Rai hüllt in Bormio die Kamera ein. Ein Streik verhinderte Mittwoch die Übertragung des Riesenslaloms.

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