Ukrainischer Generalstaatsanwalt: "Haben Beweis für Vergiftung"

Nachforschungen in Wien - In Vergiftung des ukrainischen Präsidenten Juschtschenko vermutlich Personen aus ehemaligen Regierung involviert

Wien/Kiew - Bei seinem Wien- Besuch hat der ukrainische Generalstaatsanwalt Svyatoslav Piskun in Dokumente Einsicht erhalten, die die Umstände der Vergiftung des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko aufklären. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass das eine geplante Aktion war, in die wahrscheinlich einige Personen aus der Regierung involviert waren", sagte Piskun dem Standard. "Denn nicht jeder hat Zugang zu solchen Substanzen."

Zu der Frage, ob Juschtschenko bei dem Abendessen, Anfang September vorigen Jahres im Beisein des damaligen Vizechef des ukrainischen Geheimdienstes vergiftet worden sein könnte, meinte Piskun: "Offen gesagt, haben wir schon vorher den ungefähren Zeitpunkt gewusst, an dem das Gift gegeben wurde. Das heutige Treffen mit Professor Korpan, dem Arzt von Präsident Juschtschenko, hat uns aber einige Beweise gebracht. Die ungefähre Zeitangabe fällt wahrscheinlich mit dem Abendessen zusammen. Aber wir können nicht mit Sicherheit behaupten, dass es an diesem Tag war."

Er sei nach Wien gekommen, um mit den Ärzten von Juschtschenko einige offene Fragen zu klären. "Nach den Beratungen mit Dr. Korpan und Dr. Zimpfer haben wir gesehen, dass die Ergebnisse der ukrainischen Regierungskommission und die Ergebnisse aus Österreich sich ziemlich unterscheiden", so Piskun.

Er sei auch gekommen, weil er mehr Unterlagen brauchte. "Wir haben den medizinischen Beweis, dass Juschtschenko vergiftet wurde", so Piskun. Manche der Beweise hätten Dr. Korpan und Dr. Zimpfer bereits vorher der Regierungskommission übergeben. "Heute haben wir die Dokumente bekommen, die den Beweis erbringen."

Es ginge um medizinische Aussagen und Resultate aus Österreich, Deutschland, Holland und Großbritannien, die für eine Expertise notwendig seien. "Wir brauchen diese Expertise um zu klären, wann die Vergiftung stattgefunden hat und welche Substanz verwendet wurde."

Auf die Frage, ob es konkret verdächtige Personen gebe, meinte Piskun: "Wenn ich jetzt nein sage, bin ich ein schlechter Staatsanwalt, wenn ich ja sage, dann fragen Sie mich nach dem Namen. Deshalb sage ich Ihnen: Das ist ein Geheimnis." Über den Kreis der Verdächtigen meinte er: "Dieser Kreis ist so groß, dass ich Angst habe jemanden zu vergessen und Leute damit zu verletzen." Die Aufklärung sei schwierig, weil erstmals jemand oral mit Dioxin vergiftet worden sei. (DER STANDARD, Adelheid Wölfl, Printausgabe, 10.2.2005)

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