Britisches TV will Guantanamo- Verhörtechniken in Show nachstellen

21. Februar 2005, 11:52
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HRW: "Sinnvoller Weg" verhängnisvolle Folgen vermeintlich harmloser Methoden zu zeigen

Der britische Fernsehsender "Channel Four" bereitet eine Reality-Show vor, die die Auswirkungen umstrittener Verhörmethoden des US-Militärs im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zeigen soll. Sieben Freiwillige würden sich dafür 48 Stunden lang in einem Londoner Lagerhaus unter anderem extremen Temperaturen, Schlafentzug und speziellen Befragungstechniken aussetzen, teilte der Sender am Mittwoch mit. Die Teilnehmer würden vor der Show genauestens untersucht und während sowie nach der Aufzeichnung der Sendung intensiv medizinisch und psychologisch betreut, hieß es. Die Verhörtechniken in Guantanamo seien durch mittlerweile frei gegebene Akten der US-Regierung bekannt und würden von in der Show von Spezialisten aus den USA angewandt, so Channel Four. Die Sendung soll demnach Mitte März als eine Folge einer vierteiligen Serie über Folter ausgestrahlt werden.

"Sinnvoller Weg"
Die Show könne ein sinnvoller Weg sein, um zu zeigen, welch verhängnisvolle Folgen selbst anscheinend harmlose Maßnahmen wie Schlafentzug haben könnten, kommentierte der Londoner Chef der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch (HRW), Steve Crawshaw, das Konzept der Reality Show. "Die US-Regierung fasst den Begriff Folter sehr eng und vermeidet dabei die übliche Definition, die auch eine 'grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung' von Menschen dazu zählt". Die Show werde nach seiner Einschätzung zeigen, dass eine derartige Behandlung schon dann ernste Schäden hinterlassen könne, wenn sie in nur geringem Umfang auf einen Menschen angewandt werde, erläuterte Crawshaw.

Oft an die Grenzen
Der öffentlich-rechtliche Sender Channel Four hatte bereits die bekannte Reality-Show "Big Brother" ausgestrahlt und sich einen Namen als Fernsehanstalt gemacht, die in ihren Programmen oft an die Grenzen des guten Geschmacks geht. Erst vergangene Woche kritisierte die russische Regierung den Kanal, weil er ein Interview mit dem tschetschenischen Rebellenchef sendete, der die Geiselnahme in einer Schule im nordossetischen Beslan im September des Vorjahres mit mehr als 300 Toten geplant hatte. Die UNO kritisieren die USA für ihren Umgang mit den Gefangenen in Guantanamo. Die Vereinigten Staaten halten dort seit fast drei Jahren Insassen des Lagers unter Terrorverdacht gefangen, ohne ihnen rechtlichen Beistand zu gewähren oder Informationen darüber zu geben, wie lange sie dort noch festgehalten werden. Die US-Regierung verweigert den Häftlingen den Status als Kriegsgefangene nach der Genfer Konvention. Menschenrechtsorganisationen bemängeln außerdem die Zustände in dem Lager. (APA/Reuters)

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