Haberzettl warnt vor Überalterung

23. Februar 2005, 13:08
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Eisenbahner-Gewerkschaftschef: Abfertigungsmodell sorgt für teure Produktion und Überstunden

Wien - Das von den ÖBB am Mittwoch gestartete neue aufgefettete Abfertigungsmodell werde zu einer "Überalterung" des Unternehmens führen, warnt Eisenbahner-Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl im Gespräch mit der APA.

"Das Problem ist, dass sich die ÖBB-Führung selbst in den Sack lügt und das ist ja fast erheiternd". Konkret bedeute das Abfertigungsmodell auch, dass "wir immer mehr in die teuerst mögliche Produktion gehen. Das halte ich für einen Wahnsinn und einen der größten Management-Fehler schlechthin".

Haberzettl verwies darauf, dass die ÖBB schon jetzt die teuerste Produktion und die teuersten Überstunden hätten. Dies werde durch ein derartiges Sonderabfertigungsangebot noch verstärkt.

Schlag gegen die Mitarbeitermotivation

"Es wird ja kein einziger 45- oder 50jähriger das in Anspruch nehmen". Darüber hinaus bedeute das Angebot auch einen Schlag gegen die Mitarbeitermotivation: "Was da alles passiert, schaue ich mir mit größter Besorgnis an."

Nach Meinung des Gewerkschafters wird das ÖBB-Management jedenfalls nicht das selbst gesteckte Ziel erreichen, 300 bis 500 Mitarbeiter zum Kündigen zu motivieren. Außerdem glaubt Haberzettl, dass es für am Angebot interessierte ÖBB-Mitarbeiter könnte es Probleme geben könnte: "Da will einer, der für das Unternehmen wertvoll ist, das Angebot annehmen, dem wird das aber nicht gewährt, weil man ihn braucht. Aber auf der anderen Seite wird der dann vielleicht bei der nächsten Beförderung übergangen."

Hier bestehe die Gefahr einer Bestrafungsaktion. Und auf der anderen Seite werde die ÖBB nicht jene Mitarbeiter verlieren, von denen sie sich trennen wollten.

Huber demotiviert Mitarbeiter

Kritik übt Haberzettl auch an ÖBB-Chef Martin Huber: "Er tut alles, um die Mitarbeiter zu demotivieren. Huber wird die nötige Reaktion unsererseits erfahren", winkt der Gewerkschaftschef mit der Rute im Fenster.

Derzeit würden jedenfalls einige Skurrilitäten blühen. So sollten Lokführer eingespart werden, obwohl man diese brauche. "Die Ausbildung geht um drei Kurse zurück. Dort wo wir eine Unterdeckung im Personal haben, da sparen wir linear noch Personal ein", dies sei ein Wahnsinn.

Ihn, meint Haberzettl, brächte das Angebot jedenfalls "nicht aus der Ruhe. Ich weiß, wie es enden wird. Das gilt auch für den Kündigungsschutz. Da reden viele Leute einen Blödsinn". Und man müsse natürlich Abfertigungsmodell und Kündigungsschutz gemeinsam betrachten.

Wenn Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) meine, er wolle nur unter 40-jährige kündigen und dies seien 6.500 Leute, dann müsse man tatsächlich davon ausgehen, dass bei Abzug von Lokführern, Verschubdienst und Fahrdienstleitern in Wirklichkeit "zwischen 500 und 700 Kündigungsmöglichkeiten übrig bleiben. Und deswegen fang' ich den Zinnober an?", so Haberzettl. (APA)

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