ÖSV-Damen ohne Druck in den Slalom

11. Februar 2005, 15:41
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Cheftrainer Mandl hat für alle bisherigen Pannen eine Erklärung - So war zum Beispiel Schilds Ski zu weich - Heute soll es endlich klappen

Santa Caterina - Zwei Bronzemedaillen in vier WM-Bewerben, das ist die magere WM-Bilanz der ÖSV-Damen vor dem Spezialslalom am Freitag (14:30 und 17:30 Uhr). Im letzten Damenbewerb können Marlies Schild, Nicole Hosp, Elisabeth Görgl und Kathrin Zettel noch viel gutmachen, darin liegen auch die Hoffnungen von Cheftrainer Herbert Mandl und Nicole Hosp, die im Riesentorlauf eine Medaille knapp vergeben hat. Mandl ist bewusst, dass es in Santa Caterina bisher alles andere als optimal gelaufen ist, plädiert aber für Ruhe. "Wir werden jetzt nicht nach Geistern suchen gehen", lautet seine Parole.

Ursachenforschung

Am Ende eines nicht wirklich lustigen Fasching-Dienstags wurde die Suche nach Ursachen und Gründen zwischen Mandl und den Journalisten zu einer abendfüllenden Veranstaltung. Ein höchst unglücklicher Start im Super G, Pech in der Abfahrt und im Riesentorlauf, die Verletzungen der Läuferinnen oder mentale Probleme waren nur einige der Ursachen, die als mögliche Gründe herhalten mussten.

"Zehn Weltcup-Saisonsiege und bei der WM bisher nichts"

Ein roter Faden, warum es auf dem WM-Berg vor allem für Österreichs in den Speed-Bewerben hoch favorisierte Truppe nicht nach Wunsch geklappt hatte, wurde aber nicht gefunden. "Zehn Weltcup-Saisonsiege und bei der WM bisher nichts", sah auch Mandl das Problem. "Bis jetzt gibt es aber keine Lehren, denn auch die Vorbereitung war optimal", betonte Mandl. Er wolle nichts beschönigen, fühle sich aber auch nicht unter Druck. "Weil alles, was passiert ist, erklärbar ist. Wir sollten deshalb nicht den Fehler machen, wegen der WM alles zu verdammen."

Bezüglich Riesentorlauf verteidigte Mandl die Aufstellung von Dorfmeister trotz Abfahrts-Sturz und bezeichnete die Mannschaft als "beste Riesentorlauf-Truppe, die wir je hatten". Grund für den völlig verpatzten Auftritt von Semmering-Siegerin Marlies Schild dürften wie schon in Marburg die Ski gewesen sein, die Spannung der Rennlatten der Salzburgerin dürfte schon zu sehr gelitten haben, der Ski offenbar zu "weich" gewesen sein. "Da ist in der Zusammenarbeit Trainer und Serviceleuten sicher etwas zu verbessern", so Mandl.

Nicole Hosp sprach für sich selbst. "Nach allem was bei mir seit dem Frühjahr passiert, ist es kein Wunder", erklärte sie ihren Rückfall von Platz zwei auf fünf. "Ich muss jetzt das Positive in den Slalom mitnehmen, nämlich dass ich wieder sehr gut Ski gefahren bin. Ich weiß ganz sicher, dass ich irgendwann wieder ganz oben stehen werde."

"Oft ist es nur das Glück"

Auch die Tirolerin machte sich dabei so ihre Gedanken über das Phänomen Titelkämpfe. "Oft ist es nur das Glück, das du am ersten WM-Tag hast oder nicht. Außerdem ist bei uns die Erwartungshaltung immer riesengroß. Nach einem dritten Platz in der Herrenabfahrt spricht jeder von einem Debakel, in Amerika interessiert nicht einmal der US-Doppelsieg", sagte Hosp und zog einen Vergleich. "Wenn wir im Fußball WM-Fünfter werden, sagen alle: 'Wow!' Und bei uns? Man darf nicht vergessen, dass die anderen auch nicht auf der Brennsuppe dahergeschwommen sind."

Ausnahmetalente nicht vorhanden

Mandl bemühte schließlich sogar einen Vergleich zu seiner Zeit als Herrentrainer, "denn auch in St. Anton waren die Burschen Favorits und haben im Riesentorlauf keine Medaille gemacht!" Er sei überzeugt, dass neben Schild, Hosp und Elisabeth Grögl eine Michaela Kirchgasser, Andrea Fischbacher oder Zettel enormes Potenzial hätten. Ausnahmetalente wie Janica Kostelic und Anja Pärson, die seit St. Anton siegen und in Italien bisher die WM-Goldmedaillen unter sich aufgeteilt haben, "haben wir derzeit aber nicht", gestand Mandl ein.

Ist das Quartett für den Spezialslalom bereits fix, wird an den Nominierungen für den Nationenbewerb noch getüftelt. Stellt der ÖSV drei Herren und drei Damen auf, wäre auf Damenseite Marlies Schild die "zentrale" Doppelstarterin, Renate Götschl jene im Super G, für den Slalom kämen Schild, Görgl usw. in Frage. Die Entscheidung für den "Er&Sie-Lauf" am Sonntag fällt erst nach dem Herrenslalom am Samstag. (APA)

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    Die ÖSV-Damen Kathrin Zettel, Nicole Hosp, Marlies Schild und Elisabeth Görgl (v.li) beim Fototermin in der Teamküche in Santa Caterina.

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