Krankl: "Haben um Tor gebettelt"

28. Februar 2005, 12:47
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Der Teamchef bekommt das Team nicht in den Griff - Wieder einmal eine katastrophale Halbzeit - Angst vor Tragerl in Cardiff

Limassol - Für Österreichs Fußball-Nationalmannschaft gab es am Faschingsdienstag nichts zu lachen. Das ÖFB-Team musste sich zum Auftakt des Vier-Länder-Turniers Gastgeber Zypern im Elferschießen geschlagen geben und spielte damit am Mittwoch gegen EM-Starter Lettland nur um Platz drei. Das Ausgleichstor der Hausherren zum 1:1 in der letzten Minute ärgerte Teamchef Hans Krankl in seiner Nachbetrachtung ebenso wie der Rückfall in den zweiten 45 Minuten. "Die erste Hälfte war okay, da haben wir auch verdient geführt. Aber die zweite Hälfte haben wir null gespielt, da ist nichts mehr gelungen - einfach schlecht."

Notformation in Bedrängnis

Nach dem Führungstreffer durch Roland Kirchler, der eine der wenigen gelungenen Aktionen per Kopf nach Idealflanke von Kapitän Andreas Ivanschitz abgeschlossen hatte, lief im rot-weiß-roten Spiel in der Tat nicht mehr viel zusammen. Österreichs Not-Formation (mit Schopp, Standfest, Sick, Amerhauser, Dospel, Martin Hiden, Feldhofer, Kiesenebner und Kühbauer hatten gleich neun Mann die Reise zum Trainingscamp auf die Mittelmeerinsel wegen Verletzungen absagen müssen) lief Ball und Gegner hinterher. Es gab kaum noch Entlastung für die in Bedrängnis geratene Defensive, lediglich Torhüter Helge Payer bewahrte seine Elf mit einem abgewehrten Elfmeter zunächst noch vor einem Gegentreffer.

Verdientes Remis für Zypern

"Da haben wir um ein Tor gebettelt", gab Krankl zu. "Wir haben uns unter Druck setzen lassen und sind überhaupt nicht mehr ins Spiel gekommen. Das Schlechteste war dann noch das 1:1 in der 90. Minute. Sonst hätten wir das Länderspieljahr mit einem Sieg begonnen und würden im Finale spielen. Aber man muss ehrlich sagen, dass Zypern auf Grund der zweiten Hälfte das Unentschieden verdient hat."

Dass Ivica Vastic, der zuvor in den ersten 45 Minuten noch an allen durchdachten Offensiv-Aktionen beteiligt gewesen war, dann in der Penalty-Entscheidung die Nerven versagten, passte zum Bild. Vor der "Geisterkulisse" von wenigen hundert Zuschauern im Tsirion-Stadion von Limassol ließ der Routinier als erster Schütze aus, es folgten neun Treffer und ein 5:4-Erfolg Zyperns in der Elfmeterentscheidung. Für Vastic ist die Elfmeter-Marke in Zypern nicht der beste Boden: Schon in der EM-Qualifikation 1998 war er an Cyprus-Keeper Panayiotou gescheitert.

Ein Tragerl in Cardiff?

Als Test für das vorentscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen Wales am 26. März wollte der Teamchef die Partie aber nicht werten. "Dort wird dann eine andere Mannschaft spielen. Ich habe in diesem Turnier das letzte Mal aus Fairness auf die Vereinstrainer zwei ganz verschiedene Mannschaften aufgeboten, obwohl ich kaum Spieler für eine Nationalmannschaft habe. Wenn es so ist wie gestern, dann bekommen wir in Cardiff ein 'Tragerl', aber dieses Spiel lässt keinen Vergleich zu."

Späte Gegentore

"Mit der stärksten Nationalmannschaft hätten wir auf Zypern gewonnen, da fährt die Eisenbahn drüber. Auch wenn die Jungen gut gespielt haben", verwies der Wiener auf die Tatsache, dass mit Patrick Pircher, Sebastian Martinez, Stefan Kulovits und dem eingewechselten Thomas Pichlmann vier Debütanten zum Einsatz gekommen waren. "Eines ist klar, wir haben jetzt gegen Tschechien, Nordirland und Zypern - schon drei Mal Gegentore in der 90. Minute oder später bekommen. Einer guten Mannschaft passiert das nicht." (APA)

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    Manchmal genial, manchmal unauffällig, manchmal völlig von der Rolle: Ivica Vastic.

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