Wien hofft neben Post und ÖBB-Fracht auch auf Stromfirmen

17. Februar 2005, 10:38
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Vorstand Michael Buhl: "Auch 100 Prozent des Verbund am Kapitalmarkt wären wunderbar" - Etliche IPO's für 1. Halbjahr erwartet

Wien - Außer dem von der ÖIAG für 2006 angedachten Börsegang der Post kann sich Börse-Vorstand Michael Buhl auch ein Going-public der ÖBB gut vorstellen. Die Österreichischen Bundesbahnen als ganzes oder zumindest den Güter- bzw. Frachtbereich an den Kapitalmarkt zu bringen "könnte durchaus ein Thema sein", sagte Börse-Vorstand Michael Buhl im Gespräch mit der APA.

Stromversorger willkommen

Neben Verbund und EVN würde Buhl auch gern weitere Versorger an der Börse sehen. Regionale Versorger könnten als Konglomerat oder als einzelne Unternehmen an die Börse kommen, nicht nur weitere Landes-EVU, auch kommunale Energieversorger.

Auch eine weitere Verbund-Tranche über die privatisierten 49 Prozent hinaus würde Buhl begrüßen, sollte sich die Republik zu einem Rückzug auf Minderheitsanteile entschließen: "100 Prozent des Verbund an der Börse wären wunderbar."

Auch andere Unternehmen wie etwa die Asfinag könnten eine spannende Story für den Finanzplatz Wien hergeben, meint Buhl. Die Autobahngesellschaft soll wie berichtet neben Verbund und ÖBB ebenfalls zur angedachten ÖIAG-Nachfolgegesellschaft BBMG (Bundesbeteiligungs- und Management-AG) wandern.

Post als neue Volks-Aktie?

Bezüglich eines Going-public der Österreichischen Post AG, über den ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel Mitte Jänner laut nachgedacht hatte, versuche sich die Wiener Börse schon seit Monaten einzubringen, so Buhl.

Finanzminister Karl-Heinz Grasser unterstützt ja die Idee einer neuen "Volksaktie" nach der Telekom Austria (TA). Die TA werde auch nach einem ab Juni 2005 möglichen Verkauf des ÖIAG-Pakets weiterhin der Wiener Börse als gelisteter Titel erhalten bleiben, erwartet Buhl, auch dann wenn es zu einer "Umplatzierung" des ÖIAG-Viertels zu einem österreichischen Kernaktionärskonsortium kommen sollte.

Etliche IPO's erwartet

Für die kommenden Monate geht Buhl am Kapitalmarkt Wien von etlichen Börsegängen aus, mit denen die bereits für das Vorjahr geplant gewesenen IPO gewissermaßen nachgeholt werden: "Wir sind guter Hoffnung, dass wir im 1. Halbjahr 2005 einen ganz guten Mix aus verschiedenen guten Unternehmen haben werden." Wir hoffen, dass sich die angedachten Zeitpläne bewahrheiten." Zu einzelnen Namen von kolportierten Going-publics hält sich Buhl jedoch bedeckt.

Zunächst soll Medienberichten zufolge kommende Woche der Börsegang des Wiener Biotech-Unternehmens Intercell starten und übernächste Woche die Eco Business Immobilien AG folgen.

Für Raiffeisen International ist die zweite April-Hälfte im Gespräch, auch das Dorotheum wurde zumindest bis vor kurzem als Börsekandidat gehandelt. Auch diverse Bundesländer-Flughäfen stehen in Diskussion. Mitte Jänner, im Buhl-Antrittspressegespräch, hatte das Börse-Vorstandsduo 150 heimische Unternehmen als börsefähig bezeichnet.

Keine Abwanderungen durch "EU-Pass" erwartet

Für die kommende EU-Prospekt-Richtlinie, die ab Mitte 2005 auf nationaler Ebene gesetzlich umgesetzt sein soll, geht Buhl davon aus, dass die Wiener Börse von der Finanzmarktaufsicht (FMA) - weiterhin - mit der Prüfung der heimischen Emissionsprospekte betraut wird.

Dass durch den kommenden "EU-Pass" für Wertpapiere dann etwa österreichische Unternehmen vermehrt an auch fernen Auslandsbörsen ein Zweitlisting anstreben werden, glaubt Buhl ebenso wenig wie umgekehrt einen Zustrom nach Wien. Zweitlistings würden generell eine eher niedrige Liquidität aufweisen, und selbst namhafte Unternehmen - etwa die TA in bezug auf die Börse New York - würden die zeit- und kostenaufwändigen Doppellistings überdenken.

Einer weiteren guten Aufwärtsentwicklung der Kurse an der Wiener Börse stehe nichts entgegen: "Ich gehe davon aus, dass die positive Stimmung weitergeht." Ein weiterer Boom wäre nur eine Fortsetzung der Vorjahre, das internationale Börseumfeld dafür sei gut.

2004 hat der Wiener Leitindex ATX um 57 Prozent auf 2.431 Zähler zugelegt, aktuell liegt er bereits bei 2.570 Punkten. (APA)

  • Buhl erwartet für das 1. Halbjahr 2004 etliche IPO's
    foto: standard/andy urban

    Buhl erwartet für das 1. Halbjahr 2004 etliche IPO's

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