"Landvermessung" gilt als sicher

9. Februar 2005, 17:46
4 Postings

Nenning und der Residenz Verlag rechnen fest mit Subventionen

Wien – "Die Landvermessung wird im Residenz Verlag erscheinen. Der Vertragsabschluss steht bevor." So steht seit Tagen optimistisch auf der Homepage von Günther Nennings Ex-Austrokoffer-Projekt zu lesen, der seit Monaten aufgrund dubioser Autorenverträge und der patriotischen Anbindung an das Jubiläumsjahr 2005 umstrittenen Anthologie österreichischer Literatur nach 1945.

Sicher zeigt sich Nenning im STANDARD-Gespräch nicht nur über den baldigen Vertragsabschluss, sondern auch hinsichtlich der Zusage von Geldern durch den Subventionsgeber, das Bundeskanzleramt. Zwar heißt es im Büro von Kunststaatssekretär Franz Morak auf Anfrage, man warte auf die Einreichung des Projekts und werde dann inhaltlich prüfen und entscheiden.

Doch Nenning, konfrontiert mit dieser Aussage: "Das Bundeskanzleramt interessiert das nicht. Die haben mir die Vollmacht gegeben auszusuchen. Wenn der Vertrag mit Residenz gemacht wird, kriegt Residenz sein Geld." Auch Herwig Bitsche, Verlagsleiter bei Residenz, klingt bezüglich der Subventionszusage zuversichtlich. Zwar will er sich noch nicht definitiv auf ein Ja zum Projekt festlegen, jedoch: "Das Bundeskanzleramt steht zur Finanzierung des Projekts und ist bereit, es in seiner jetzigen Form zu tragen." Wie diese Form nun aussieht, darüber jedoch hüllen sich alle Seiten in Schweigen.

Zwar spricht Nenning von "100 Autorinnen und Autoren". Nach Informationen des STANDARD bleiben jedoch zahlreiche Schriftsteller, ohne die eine Anthologie österreichischer Literatur nach 1945 schlecht denkbar scheint, dem Projekt weiterhin entschieden fern – beispielsweise Elfriede Jelinek, Josef Winkler, Daniel Kehlmann und Gert Jonke.

Dennoch: In der Verlagsbranche gilt der Zuschlag der 245.000-Euro-Subvention für das Nenning-Projekt als gewiss. Wie immer dieses sich seit der Erstvergabe der Gelder auch verändert haben mag.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.2.2005)

Von
Cornelia Niedermeier
Share if you care.