E-Card: Musterpraxis-Arzt befürchtet Probleme

11. Februar 2005, 16:36
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Chipkarte funktioniere, aber sei noch nicht in Ordinations-Software implementiert - Patientenärgernis: Bis Ende 2005 Karte und Schein mitbringen

Wien - Der Arzt der Musterpraxis im burgenländischen Trausdorf, Milan Kornfeind, befürchtet Probleme bei dem ab 28. Februar anlaufenden Probebetrieb für die E-Card. Im Der Mediziner berichtet, dass die Chipkarte in seiner seit 13. Dezember installierten Musterpraxis zwar problemlos funktioniere. Die Implementierung in seine Ordinations-Software sei aber entgegen den Zusagen bisher noch nicht erfolgt. Und für die Übergangsphase bis zum Jahresende befürchtet Kornfeind in den Praxen Probleme mit verärgerten Patienten, weil sie bis dahin sowohl die Chipkarte als auch den Krankenschein mitbringen müssen.

Testbetrieb

Derzeit wird der elektronische Krankenschein-Ersatz von den rund 2.500 Stammpatienten Kornfeinds in dessen beiden Praxen in Trausdorf und Oslip getestet. Ab 28. Februar soll dann der Probebetrieb in den Bezirken Eisenstadt, Eisenstadt Umgebung, Rust und Neusiedl/See starten. Ab Ende Mai wird dann begonnen, flächendeckend an alle Österreicher die Karten per Post zu versenden. Diese Prozedur soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Der Hauptverband und das Gesundheitsministerium bestätigen, dass dieser Zeitplan eingehalten wird.

Karte und Krankenschein

Kornfeind sieht für den Probebetrieb aber ein Problem. Nach der derzeit gültigen Rechtslage werden alle Patienten bis Jahresende, auch wenn sie die E-Card schon haben und ihr Arzt das System installiert hat, zusätzlich noch den Krankenschein mitbringen müssen. Der Mediziner wünscht sich von der Politik, das noch zu ändern, weil "sonst gibt's Troubles". Die Patienten könnten verärgert sein und sich weigern, die E-Card zu benutzen, wenn sie ohnehin den Krankenschein zusätzlich brauchen.

Das Gesundheitsministerium winkt jedoch ab. Christoph Hörhan, der Sprecher von Ministerin Maria Rauch-Kallat (V), betonte, dass man diese Regelung "ganz bewusst" so gemacht habe. Man könne den Krankenschein erst dann aus dem Verkehr ziehen, wenn man sicher sei, dass die E-Card funktioniere. Bei einem so großen Projekt müsse man "auf Nummer Sicher" gehen. Die Parallelität müsse in Kauf genommen werden für die Sicherheit der Patienten.

Wenn der Krankenschein schon vorher abgeschafft wäre, könnte ein Patient mit E-Card auch in einem Gebiet, in dem die Chipkarte noch nicht installiert ist, dann nicht zum Arzt gehen. Hörhan glaubt auch nicht, dass die Patienten allzu sehr verärgert sein werden, weil sie den Krankenschein ohnehin noch gewohnt seien und einen langsamen Übergang befürworten werden.

Ein weiterer Grund sind aber auch die Gebühren. Hörhan bestätigte, dass "keine Lücke" entstehen dürfe. Die Chipkartengebühr von zehn Euro pro Jahr wird erst ab 2006 eingehoben und wenn die Patienten nun bis dahin ohne Krankenschein zum Arzt gehen könnten, würde den Kassen die Krankenscheingebühr entgehen.

E-card-System unabhängig von seinem Ordinations-System

Die Chipkarte selbst funktioniert in seiner Musterpraxis problemlos, berichtete Kornfeind. Innerhalb von fünf Sekunden habe er die Bestätigung, dass der Patient versichert sei. Allerdings sei es noch etwas kompliziert, weil das System unabhängig von seinem Ordinations-System arbeitet. Ursprünglich hätte es schon im Jänner in die Ordinations-Software integriert werden sollen. Kornfeind hofft nun, dass dies nächste Woche geschieht.

Technische Vorraussetzungen nicht geliefert

Ein Sprecher der Chipkartengesellschaft des Hauptverbandes erklärte dazu, dass diese Implementierung Angelegenheit der Software-Firma des Arztes sei. Die Chipkartengesellschaft betreue zwar die Software-Firmen und gebe ihnen Informationen, grundsätzlich müsse sich aber der Arzt darum kümmern. Auch die Kosten dafür habe der Arzt zu tragen, weil es für ihn zwar die Arbeit erleichtere aber nicht unbedingt notwendig für den Betrieb sei.

Die angesprochene Software-Firma des Arztes der Musterpraxis kritisiert nun den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Die Aussage, die Implementierung sei Angelegenheit der betreuenden Software-Firma bezeichnete Klaus Propst, der Geschäftsführer der Firma MCW, als "falsch und absolut irreführend". Eine Einbindung der Ordinationssoftware sei bis dato keinem Ordinationssoftware-Hersteller möglich gewesen, da der Hauptverband die technischen Voraussetzungen bis heute nicht geschaffen habe.

Die zugesicherte Infrastruktur zur Umsetzung einer voll integrierten Patientenaufrufmöglichkeit sei den Ordinations-Softwarefirmen zwar für 24. November 2004 vom Hauptverband zugesichert worden. Bis heute sei diese jedoch nicht geliefert worden. "Wenn es zu Problemen bei der Einführung der E-Card kommt, dann, weil der Hauptverband säumig ist und seine Hausaufgaben nicht gemacht hat", sagte der Geschäftsführer der Software-Firma. (APA)

(APA)

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