Ameisenart kann kontrolliert fallen

15. Februar 2005, 10:40
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Mit dem Bauch voran wird in die Tiefe gestürzt

New York/London - Eine Ameisenart, die in den Wipfeln des tropischen Regenwaldes lebt, beherrscht die Kunst des freien Falls. Die nicht fliegenden Insekten (Cephalotes atratus) steuern beim unfreiwilligen Sturz von einem Ast geschickt auf den Stamm ihres Baumes zu und vermeiden so den Aufprall in der Tiefe. US-Forscher verfolgten den "kontrollierten Fall" der Ameisen mit der Videokamera und stellten fest, dass 85 Prozent von ihnen den rettenden Stamm erreichten und innerhalb von zehn Minuten zurück waren bei ihrer vertrauten Kolonie.

Das Team um Michael Kaspari von der Staatlichen Universität von Oklahoma in Norman (US-Bundesstaat Oklahoma) beschreibt die Kunst des Gleitens im Wissenschaftsjournal "Nature" vom Donnerstag als "wichtige Entwicklungsstufe bei der Evolution des Fluges". Die Videoaufnahmen offenbarten, dass die akrobatischen Insekten fast immer mit dem Bauch zuerst in die Tiefe stürzten und dadurch die Kontrolle über ihren Fall behielten. Das galt sowohl für den durch einen Windstoß verursachten Abgang wie für die freiwillige Flucht vor einem Vogel oder anderen Verfolgern.

Kaspari und Kollegen beobachteten Ameisen im Urwald von Panama, Costa Rica und Peru. Sie verfolgten den Sturz der Ameisen aus bis zu 30 Metern Höhe und entdeckten, dass die Insekten trotz der enormen Geschwindigkeit beim Fall fast immer eine Art J-Bewegung zum Stamm meistern. Nach dem anfänglich steilen Abgang gelänge es den C. atratus, durch Justierung des Körpers auf den Stamm Kurs zu nehmen und diesem schließlich entgegenzugleiten. Ihre Studie sei "der erste quantitative Nachweis für den kontrollierten Fall von Ameisen", schreibt das Team in "Nature". (APA/dpa)

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