Belvedere: Historische Brunnenanlagen werden saniert

5. Juli 2005, 13:58
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Der Wasserverlust hat in der Barockzeit keine allzu große Rolle gespielt - das heutige Wassesparen bringt jahrelange Abdichtungsarbeiten mit sich

Wien - Im Garten des Schlosses Belvedere in Wien beginnt heuer die Sanierung der historischen Brunnenanlagen.

Insgesamt zwölf Becken inklusive der großen Kaskade werden abgedichtet, außerdem sollen die Figurengruppen und Einfassungen der Becken in Schuss gebracht werden. Den Anfang des auf mehrere Jahre angelegten Projektes machen 2005 die Brunnen im Kammergarten.

Brunnen waren auch in der Barockzeit nicht ständig in Betrieb

"In der Barockzeit waren die Brunnen nie ständig im Betrieb", erklärte Burghauptmann Wolfgang Beer: "Der Wasserverlust hat dennoch keine allzu große Rolle gespielt." Da man schon lange nicht mehr einfach den Teich im Ehrenhof anfülle und das Wasser zu festlichen Anlässen über die Brunnen ablaufen lasse, müsse man heute für größere Dichtheit sorgen. Frühere Sanierungsversuche mit Beton haben dabei nicht den erwünschten Erfolg gebracht.

Wassersparen

Ursprünglich wurden die Brunnen mittels "Lehmschlag" abgedichtet, fein gestampftem Lehm, der elastisch bleibt, so lange er feucht gehalten wird. Das Bundesdenkmalamt will nun erheben, wo dieser historische Untergrund noch vorhanden ist und ob er repariert werden kann. Landeskonservatorin Barbara Neubauer denkt dabei vor allem an den Kammergarten und rühmt den Lehmschlag als eine Abdichtungstechnik, die auch heute noch bei Mülldeponien erfolgreich eingesetzt wird.

Burghauptmann Beer ist gegenüber der alten Technik skeptisch. Er will lieber mittels "weißer Wanne" aus wasserundurchlässigem Beton für die Dichtheit der Becken sorgen. Von außen sei der Unterschied nicht zu sehen, und billiger wäre das auch noch. Außerdem, so Beer: "Wenn Prinz Eugen die weiße Wanne gekannt hätte, hätte er sie auch gemacht."

Renovierung der Brunnenfiguren

Eine zweite große Aufgabe wird laut Neubauer die Restaurierung der Brunnenfiguren. "Vor allem im Kammergarten gibt es oft nur noch Steinhaufen", so die Landeskonservatorin. Man suche nun altes Fotomaterial, um eine Rekonstruktion vornehmen zu können. Der große Kaskadenbrunnen wiederum müsse abgebaut werden, um die Unterkonstruktion erneuern zu können.

Sommerpalais von Prinz Eugen

Der Belvederegarten als Park des Sommerpalais von Prinz Eugen von Savoyen wurde ab dem Jahr 1700 nach Plänen des Garteningenieurs Dominique Girard errichtet. Fertig gestellt wurde er mitsamt den wasserbaulichen Anlagen im Jahr 1725. Das Untere Belvedere als Sommerresidenz des Prinzen wurde von Lucas von Hildebrandt 1714 bis 1716 erbaut, das Obere Belvedere als Repräsentationsbau von 1720 bis 1723. (APA)

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