Italien hofft auf Freilassung von verschleppter Reporterin

14. Februar 2005, 12:10
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Angebliche Entführer stellen neues Ultimatum

Dubai - Die angeblichen Entführer der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena haben ein neues Ultimatum gestellt. Die "Organisation des Jihad" gab der italienischen Regierung 48 Stunden, um den Rückzug der italienischen Truppen aus dem Irak zu erklären. Dies sei die Vorbedingung, um Auskunft über das Schicksal der Journalistin zu geben, hieß es auf einer im Internet veröffentlichten islamistischen Website.

Bisher ist nicht eindeutig geklärt, wer Sgrena, die für die prokommunistische italienische Zeitung "Il Manifesto" arbeitet, entführt hat.

Die Zeitung "Il Manifesto", für die die 56 Jahre alte Reporterin in den Irak gereist war, berichtete am Donnerstag, dass die italienischen Behörden Kontakt zu den Kidnappern aufnehmen konnten. "Die Vermittler im Irak warten auf ein positives Ende des Geiseldramas", berichtete die Tageszeitung. Ausgeschlossen wurde, dass man die Reporterin in einer militärischen Blitzaktion befreien wolle.

Informanten der Regierung von Silvio Berlusconi im Irak haben laut "Il Manifesto" Hinweise darauf erhalten, dass die entführte Korrespondentin noch am Leben sei. Eine Kontaktperson der italienischen Geheimdienste habe Sgrena am Montag und am Dienstag sehen dürfen und berichtet, dass es ihr gut gehe, schrieb die Zeitung. Diese Kontaktperson solle auch für weitere Verhandlungen mit den Entführern eingesetzt werden.

Mujaheddin-Brigade bekundet Hinrichtung der Reporterin

Erst am Dienstagabend hatte eine irakische Gruppe namens Mujaheddin-Brigade im Internet bekundet, sie habe die Journalistin "hingerichtet", nachdem es sich erwiesen habe, dass sie im Auftrag der "amerikanischen Kreuzzugstruppen" spioniert habe.

Der italienische Außenminister Gianfranco Fini äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der sechs verschiedenen Internet-Botschaften, mit denen sich einige Fundamentalistengruppen zur Entführung der Journalistin bekannt hatten. "Es wäre ein Fehler, den Internet-Botschaften Glaubwürdigkeit zu schenken", meinte Fini.

Der arabische Satellitenkanal Al Feiha sendete am Mittwoch einen Appell irakischer Journalisten für die Freilassung der italienischer Reporterin und ihrer französischen Kollegin Florence Aubenas, Korrespondentin der Tageszeitung "Liberation". Die irakischen Journalisten forderten den Einsatz der politischen und religiösen Behörden im Irak, um die Befreiung der beiden Frauen zu erreichen.

Kollegin vernommen

Am Mittwoch wurde in Rom die italienische Journalistin Barbara Schiavulli von der römischen Staatsanwaltschaft vernommen. Sie hatte mit Sgrena ein Hotelzimmer in Bagdad geteilt. Schiavulli hatte mit der "Manifesto"-Reporterin telefoniert, als diese am Freitag entführt worden war. Sie hatte außerdem nach der Entführung einen Anruf von Sgrenas Handy erhalten. "Niemand meldete sich, nur arabische Musik war im Hintergrund zu hören", berichtete Schiavulli.

Der italienische Oppositionschef Romano Prodi verurteilte die Entführung Sgrenas. "Die Journalistin ist kurz nach den Wahlen im Irak entführt worden. Die Terroristen wollten ein Signal geben, dass sie auch nach den Wahlen ihre Aktion fortsetzen würden. Dabei ist es offensichtlich, dass Sgrena mit dem irakischen Volk solidarisch ist. Sie ist eine Reporterin, die oft ihr Leben riskiert hat, um über Kriege in der Welt zu berichten", so Prodi.

Die altkommunistische Rifondazione plant am 19. Februar eine Großkundgebung in Rom zur Freilassung der Journalistin. "Wir müssen die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit wach halten", so Rifondazione-Chef Fausto Bertinotti. (APA/ANSA)

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