ÖBB startet "aufgefettetes" Abfertigungsmodell

23. Februar 2005, 13:08
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44.000 Eisenbahner erhalten briefliches Angebot für Ausscheiden - 300 bis 500 Mitarbeiter sollen Offert von bis zu 23 Monatsentgelten annehmen

Wien - Die ÖBB haben am Mittwoch ein neues Abfertigungsmodell gestartet. Unabhängig von der aktuellen Diskussion um eine Lockerung des Kündigungsschutzes der Eisenbahner will das Management jetzt mit einem "Golden Handshake" Mitarbeiter zum freiwilligen Austritt bewegen.

Wenn ein ÖBB-ler noch im Februar freiwillig geht, erhält er demnach je nach Dienstzeit bis zu 23 Monatsentgelten. Danach wird die Abfertigung schrittweise gesenkt. Ein entsprechendes Angebot hat Personalchef Franz Nigl am Mittwoch an sämtliche 44.000 Eisenbahner ausgesandt.

Angebot soll "Ansporn" sein

Dass damit ein heftiger "Druck" auf die Mitarbeiter ausgeübt werde, weist ÖBB-Chef Martin Huber zurück. Das Angebot solle vielmehr ein "Ansporn" sein, sagte Huber im Gespräch mit der APA. Und Personalchef Nigl assistierte, dass er sich nicht als "Personalabbauer, sondern als Personalentwickler" sehe. Derzeit halten die ÖBB bei 43.067 Mitarbeitern (Stand 1.1.2005 ohne Beteiligungen). Bis 2010 soll der Personalstand auf 35.000 sinken.

Ohne Abfertigungsmodell hatten im Vorjahr knapp über 200 pragmatisierte Mitarbeiter freiwillig bei den ÖBB gekündigt. Das heurige Sonderangebot sollen nach Erwartungen Nigls "300 bis 500" annehmen. Pro Mitarbeiter rechnen die ÖBB mit einem Aufwand von rund 70.000 Euro - allerdings inklusive Lohnnebenkosten. Für den Mitarbeiter bleiben bei einem angenommenen Durchschnittsgehalt von 2.000 Euro als Abfertigung zwischen gut 16.000 Euro und knapp 54.000 Euro übrig.

Konkret sieht das "Startmodell" vor, dass ein pragmatisierter ÖBB-Mitarbeiter nach zehn Jahren das 7-fache, nach 15 Jahren das 10-fache, nach 20 Jahren das 14-fache und nach 25 Jahren das 19-fache Monatsentgelt als Abfertigung erhält. Dazu kommt die "Sonderbonifikation", die vorsieht, dass ein Mitarbeiter, der bereits im Februar sich zum Ausscheiden entscheidet, vier Monatsentgelte zusätzlich erhält, im März sind es noch drei zusätzliche Zahlungen, im April nur mehr zwei und im Mai ein Monatsentgelt. Ab Juni gibt es dann nur mehr das "einfache" Angebot ohne Sonderprämie.

Mitarbeiter werden per Brief informiert

Das Abfertigungsangebot geht in brieflicher Form an alle ÖBB-Bediensteten. Allerdings meinen Huber und Nigl übereinstimmend, die Erfahrung mit derartigen Modellen habe gezeigt, dass fast nur unter 40-jährige davon Gebrauch machten - das sind derzeit etwa 10.000 Eisenbahner.

Außerdem gibt es für die Abfertigung ein zweistufiges Verfahren. Auch wenn ein ÖBB-ler gewillt ist, das Startmodell für sich in Anspruch zu nehmen, muss erst vom Unternehmen entschieden werden, ob man auf diesen Mitarbeiter verzichten könne. Ist dies nicht der Fall, wird das Angebot nicht gewährt. Nach Erfahrung wird das etwa bei 10 Prozent der Ansuchen der Fall sein.

Darauf angesprochen, welche Bereiche in der ÖBB zu der Zielgruppe gehören, für die sich das Angebot lohnt, nannte Huber den Baubereich, die Verwaltung, Dachdecker, Schlosser, Maler, Installateure oder Chauffeure. Schwerer entbehrlich werden hingegen Lokführer, Fahrdienstleiter oder Verschieber sein.

Huber: "Können wir wirklich nicht auf den Eisenbahner verzichten, und er ist gut oder sehr gut, werden wir uns professionell gegenüber dem Mitarbeiter verhalten". Was das bedeutet? - Huber: "In jedem anderen Unternehmen wird man sich bemühen, Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen wollen, und die gut und wichtig für das Unternehmen sind, zu halten". Die Letztentscheidung liegt beim Vorstand der jeweiligen ÖBB-Gesellschaften.

Berichte, wonach es aufgrund der im Dezember bekannt gewordenen Abfertigungsaktion Unruhe unter der ÖBB-Belegschaft gegeben habe, weist Huber zurück: "Ich bekomme hunderte e-mails. Aber ich habe noch kein einziges erhalten wegen Verunsicherung aufgrund des Golden Handshake".

Auch die Gefahr, dass durch solche Aktionen das Durchschnittsalter der ÖBB-Pensionisten weiter ansteige, sieht der ÖBB-Chef nicht. Das derzeitige Alter liege im Schnitt derzeit bei 42,3 Jahre. Auf 45 Jahre werde das Durchschnittsalter nicht ansteigen, maximal "vielleicht auf 43,1 Jahre", so Huber. (APA)

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    44.000 Eisenbahner erhalten Angebot für "Golden Handshake"

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