Diskussionen um Amtsfähigkeit des kranken Papstes

9. Februar 2005, 19:56
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Pontifex muss bis zum Wochenende im Krankenhaus bleiben - Vatikan-Bischöfe versuchen Situation zu beruhigen

Vatikanstadt/Rom - Der Umstand, dass Papst Johannes Paul II. voraussichtlich bis zum Wochenende im Krankenhaus bleiben muss, hat in der Kirchenwelt auch am Mittwoch Stoff für weitere Diskussionen um seine Amtsfähigkeit gegeben. Laut ärztlichen Quellen in der römischen Gemelli-Klinik sei der Papst zwar auf dem Weg der Besserung, er sei jedoch immer noch schwach.

Ärzte befürchten nach einer Kehlkopfentzündung, wegen der der Papst am 1. Februar eingeliefert worden war, vor allem Atmungskomplikationen, daher wollen sie ihn noch länger im Krankenhaus behalten. Am morgigen Donnerstag soll ein ärztliches Bulletin über den Zustand des Papste veröffentlicht werden.

Um Beruhigung war am Mittwoch vor allem der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Camillo Ruini, bemüht. Nach einem Krankenbesuch bei Johannes Paul II. erklärte der vor Medienvertretern: "Ich habe den Papst in wirklich guter Fassung gesehen. ... Ich habe den Papst gesehen und ihn begrüßt, ihm geht es wirklich gut."

Spekulationen um einen möglichen Rücktritt

Unterdessen zeigte sich Kurienkardinal Giovanni Battista Re empört über die anhaltenden Spekulationen um einen möglichen Papstrücktritt. Eine solche Debatte zum jetzigen Zeitpunkt sei "geschmacklos", sagte Re laut Kathpress. Re ist Präfekt der Bischofskongregation, die unter anderem die Ernennung neuer Bischöfe vorbereitet. Er gehört zu den wenigen Kurienmitarbeitern, die vom Papst wöchentlich an einem fixen Termin in Audienz empfangen werden.

"Im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte"

Scharfe Kritik an den Spekulationen äußerte auch der Präfekt der Kleruskongregation, Kardinal Dario Castrillon Hoyos: Es gebe keinerlei Notwendigkeit, über einen Rücktritt zu sprechen. Der Papst halte das Steuer der Kirche "in seinen erfahrenen Händen" und sei im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte. "Deshalb stelle ich mir die Frage nach einem Papstrücktritt überhaupt nicht."

Stimme nicht notwendig

Ähnlich äußerte sich auch der emeritierte Kurienkardinal Mario Francesco Pompedda. Auch ein Papst ganz ohne Stimme könne die Kirche leiten. Er könne seine Meinung und seine Anweisungen schriftlich mitteilen. Niemand könnte eine Entscheidung des Papstes in Zweifel ziehen, die schriftlich, durch Gesten oder durch andere Ausdrucksformen seines Willens mitgeteilt werde.

Pompedda stellte klar, dass im Kirchenrecht selbst keine eindeutigen Regelungen für den Fall einer Behinderung des Apostolischen Stuhles durch Krankheit ausgeführt seien. Allerdings spreche Johannes Paul II. in seinem Dokument einer künftigen Konklave-Ordnung von unterschiedlichen "Motiven oder Ursachen" für den Beginn der so genannten Sedisvakanz. Das bedeutet nach Einschätzung des Kardinals, dass es nicht ausgeschlossen sein müsste, analoge Bestimmungen des Kirchenrechts, etwa zur Vakanz von Diözesen, heranzuziehen.

Nicht ganz auf der Linie der im Vatikan agierenden Bischöfe war lag der argentinische Kardinal Jorge Meija, der einen Rücktritt des Papstes als eine "mögliche Sache" bezeichnete. Eine Demission sei im Kirchenrecht durchaus vorgesehen, und alles hänge davon ab, ob Johannes Paul II. denke, dass seine persönliche Situation und die der Kirche und der Welt seinen Rücktritt rechtfertigten. "Wir hoffen, dass der Papst so lange weiter macht, wie er kann. Aber wenn er nicht mehr können sollte, muss er das nach seinem Gewissen entscheiden", fügte der Kardinal hinzu und wiederholte damit Aussagen von Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano. Auf die Frage, ob der Papst die Hypothese eines Rücktritts erwäge, hatte der Kardinal am Montag gemeint: "Das überlassen wir dem Gewissen des Papstes."

Unterdessen wurde die öffentliche Messe des Vatikan aus Anlass des Aschermittwoch erstmals ohne die persönliche Anwesenheit des Papstes gelesen. Hunderte von Pilgern beteten aber für das kranke Oberhaupt der Kirche. (APA)

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