Gericom: Notebook-Produktion in Linz vor dem Aus - Börsewechsel denkbar

22. Februar 2005, 16:08
25 Postings

Abbau von 35 Mitarbeitern - Chinesischer Partner vor Einstieg - Aufsichtsrat­sitzung am 14. Feber

Linz - Die Produktion des börsenotierten Linzer Notebookherstellers Gericom in der Landeshauptstadt soll geschlossen werden. Das berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) in ihrer Mittwoch-Ausgabe.

35 Mitarbeiter betroffen

Noch im ersten Quartal würden dadurch 35 Mitarbeiter abgebaut. Ein Großteil der betroffenen Mitarbeiter werde von externen Partnern übernommen, erklärte Vorstand Patrick Prügger im Gespräch mit der APA. Die Stimmung im Unternehmen beschrieb er als "durchaus positiv". Die Unsicherheit sei abgebaut und eine klare Perspektive für die Beschäftigten, die bereits informiert worden seien, geschaffen worden, so Prügger.

In den vergangenen beiden Quartalen seien pro Monat bereits zwei bis drei Arbeitsplätze abgebaut worden, zum Teil auch durch natürliche Fluktuation. Dadurch habe sich der Personalstand von rund 250 auf zuletzt 220 reduziert.

Auf einen weiteren Mitarbeiterabbau angesprochen sagte Prügger, dass es zu "Anpassungen an die neuen Anforderungen" im Zuge der "Umstruktierung des Unternehmens" kommen müsse.

Konzentration auf Bildschirmverkauf

Gericom verlege seinen Geschäftsschwerpunkt vorwiegend auf den Verkauf von Flachbildschirmen. Nach einem Nettoverlust von 17,2 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2003 werde Gericom am 31. März anders als angekündigt ein "leicht negatives" Ergebnis 2004 vorlegen, so Prügger.

Das Unternehmen steige völlig aus der Endfertigung von Elektronikgeräten aus und hole sich noch im Februar einen großen chinesischen Elektronikhersteller als Partner, der sich mittelfristig auch am Aktienkapital beteiligen soll, schreiben die OÖN. Damit werde das Unternehmen zum "Vertriebsarm" einer asiatischen Firma und sei künftig nur für Verkauf, Controlling und Ersatzteilbeschaffung verantwortlich.

Cross Holding mache "ordentlich Druck"

Die Umorientierung passiere nicht zuletzt deshalb, weil der jüngste Miteigentümer, die Cross Holding - die an der Wiener Börse notierte Beteiligungsgesellschaft der KTM-Vorstände Stefan Pierer und Rudolf Knünz - "ordentlich Druck" mache, so die Zeitung.

"Wir würden in der Form wie jetzt keine zwei bis drei Jahre mehr überleben. Wir wären mit Sicherheit untergegangen", wird Prügger zitiert. Aktuell mache der "heftig umkämpfte" Notebook-Bereich noch 62 Prozent des Umsatzes aus. Der Rest, das Geschäft mit Flachbildschirmen, Fernsehern und Zubehör, soll stark ausgeweitet werden.

Ganz aufgeben wolle das Unternehmen die Laptops aber aus taktischen Gründen nicht, denn bald würden Plasma-Fernsehschirm mit Festplatte und DVD-Laufwerk ausgestattet sein. Gericom wolle das Know-how nicht verlieren, berichten die OÖN. Reparaturen würden künftig ausschließlich über Partner vor Ort abgewickelt.

Der Rechtsstreit mit dem beteiligungswilligen Medion-Konzern gehe laut Zeitungsbericht zurück an den Start: Seit Jänner sei das Landgericht Bochum zuständig.

Kein Börserückzug - Börsewechsel aber denkbar

Es gebe keine Überlegungen seitens Gericom, sich mittelfristig von der Börse zurückzuziehen, so Prügger. Dies werde auch vom asiatischen Partner nicht gewünscht. Aus Prüggers Sicht wäre es aber sinnvoll, das Thema Börse - vor allem im Hinblick auf den Standort - zu diskutieren. Es gebe Argumente, die für einen Wechsel an den Wiener Aktienmarkt sprechen würden.

Bei dem asiatischen Partner handle sich dabei um einen der größten chinesischen Elektronikhersteller, gab sich Prügger mit Verweis auf die bevorstehende Aufsichtsratssitzung am 14. Februar zunächst bedeckt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gericom-Notebook-Produktion in Linz vor dem Aus - Chinesischer Partner soll sich beteiligen

Share if you care.