Die "andere" Welt der Linkshänder

15. Februar 2005, 23:04
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Unterschiedliche Hirnaktivität verändert die Wahrnehmung

Birmingham/London - Wissenschaftler der University of Birmingham haben festgestellt, dass das gesamte Weltbild der Linkshänder anders ist. Die Gründe dafür liegen in den zwei Gehirnhälften, die ein anderes Bild erzeugen, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin Nature Neuroscience. Für die Untersuchungen wurde eine Technik namens transkranielle magnetische Stimulation (TMS) verwendet.

Die Wissenschaftler um Glyn Humphries haben die Wahrnehmungsunterschiede zwischen den Rechts- und Linkshändern deutlich gemacht. So beurteilen Rechtshänder mit der rechten Gehirnhälfte um das Gesamtbild zu erkennen. Wenn aber Details daraus betrachtet werden, wird die linke Gehirnhälfte aktiviert. Bei Linkshändern ist es genau umgekehrt. Aber nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch andere Aktivitäten wie etwa die Sprach- oder Lesefunktion sind nach Ansicht der Forscher von dieser Tatsache abhängig.

Zur Untersuchung des Gehirns wurde die TMS-Methode verwendet, bei der das Gehirn mithilfe einer magnetische Spule stimuliert wird, die von außen an den Schädel des Patienten gehalten wird. Die von der Spule erzeugten Magnetfelder induzieren winzige elektrische Ströme im Inneren des Kopfes, die die Aktivität der ebenfalls über elektrische Signale ablaufenden Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn verändern. Auf diese Weise können hemmende oder auch aktivierende Einflüsse auf bestimmte Gehirnbereiche ausgeübt werden.

Umstrittene Ergebnisse

Die Ergebnisse der Forscher bleiben aber von anderen Wissenschaftlern nicht unwidersprochen: Stephen Williams, Psychologe aus Colchester, sieht die Wahrnehmungsunterschiede zwischen Rechts- und Linkshändern nicht derart ausgeprägt. "Dass die linke Gehirnhälfte für die Sprachentwicklung der Rechtshänder zuständig ist und dass dies bei Linkshändern umgekehrt ist, daran wurde gedacht", so der Experte.

Spätere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass 95 Prozent der Rechtshänder und 70 Prozent der Linkshänder für die Sprachabläufe die linke Hirnhälfte verwenden. Die Hälfte der restlichen verwendete jeweils beide Gehirnhälften. Forscher sind auch zum Schluss gekommen, dass Linkshänder eher zu Allergien, Autoimmunerkrankungen, Depressionen, Drogenabhängigkeit, Epilepsie, Schizophrenie und Schlafstörungen neigen. Andere Forscher gehen davon aus, dass Linkshänder auch schlechtere räumliche Fähigkeiten haben und daher häufiger zu Unfällen neigen. Die im Wissenschaftsmagazin The Lancet veröffentlichte Studie hat aber mit einem Vorurteil aufgeräumt: Linkshänder sterben nicht früher. (pte)

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