Berlin will Aufklärung über NS-Zeit intensivieren

8. Februar 2005, 23:51
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Dach-Stiftung für Berliner Gedenkstätten geplant - Neues Holocaust-Mahnmal wird am 10. Mai eröffnet

Berlin - Vor dem Hintergrund zunehmender Geschichtsklitterung durch Rechtsextremisten will Deutschland seine Aufklärungsarbeit über die Verbrechen der NS-Zeit intensivieren. So soll in Berlin eine Bundesstiftung als organisatorisches Dach der bestehenden Gedenkstätten und des neuen Holocaust-Mahnmals gegründet werden, wie Kulturstaatsministerin Christina Weiss am Dienstag mitteilte. Den KZ-Gedenkstätten in den alten Bundesländern verspricht der Bund institutionelle Förderung, will aber dafür mehr mitreden.

Weiss sagte, im Gedenkjahr 2005, in dem sich das Kriegsende zum 60. Mal jährt, versuche unter anderem die rechtsextreme NPD, die Geschichte umzudeuten. Nötig sei eine neue Form der Aufklärung über die NS-Zeit und deren Verbrechen. Neue Strukturen seien dabei von großer Bedeutung. In diesem Sinne wolle der Bund sein Gedenkstättenkonzept von 1999 überarbeiten.

Neues Holocaust-Mahnmal wird am 10. Mai eröffnet

Die geplante Bundesstiftung für die Berliner Gedenkstätten soll neben dem neuen Holocaust-Mahnmal, das am 10. Mai eröffnet wird, die Stiftung Topographie des Terrors, das Haus der Wannsee-Konferenz und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand unter einem Dach zusammenführen. Dabei gehe es um "konzeptionelle Synergieeffekte", sagte Weiss. Die verschiedenen Gedenkorte sollen stärker als Gesamtensemble präsentiert werden. Mehr Geld sollen die Einrichtungen nicht vom Bund bekommen. Laut Weiss kommen derzeit 65 Prozent ihrer Finanzierung vom Bund, der Rest vom Land Berlin.

Den Gedenkstätten an den ehemaligen Konzentrationslagern Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg und Neuengamme in Westdeutschland bietet der Bund nach Weiss' Worten künftig institutionelle Förderung von bis zu 50 Prozent an. Diese gibt es bisher nur für die ostdeutschen Gedenkstätten. Dafür will der Bund aber auch mehr Mitsprache neben den Ländern. Nötig sei eine "klare Kooperation", sagte Weiss. Die Zeit, wo der Bund nur Geld beisteuere, sei vorbei. Bisher erhalten die westdeutschen Gedenkstätten nach ihren Angaben vom Bund projektbezogene Förderung, die aber kaum niedriger sei als die geplante institutionelle Hilfe. (APA/AP)

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