Acht Jahre nach Kyoto: Klimaschutzprotokoll tritt in Kraft

21. Februar 2005, 15:14
4 Postings

Stichtag ist der 16. Februar - Erst mit Russlands Ratifizierung wurde notwendige Mindestteilnehmerzahl für das Abkommen erreicht

Berlin/Oslo - Acht Jahre nach seiner Verabschiedung wird das Kyoto-Protokoll zur Reduzierung von Treibhausgasen in der kommenden Woche - konkret am 16. Februar - in Kraft treten. 141 Nationen haben sich zur Teilnahme verpflichtet - doch die USA als größter Kohlendioxid-Produzent der Welt sind nicht dabei.

"Für das Klima ist Kyoto nur ein kleiner Schritt, aber das In-Kraft-Treten ist ein großer politischer Sieg für die Idee, die weltweiten Treibhausemissionen zu reduzieren", sagte der Chef des Osloer Forschungszentrum für Klimawandel, Paal Prestrud. Insbesondere der Ausstoß riesiger Kohlendioxidmengen der Industrienationen trägt zur Erwärmung der Erdatmosphäre, dem so genannten Treibhauseffekt bei. Klimaexperten rechnen deshalb mit gravierenden Veränderungen des Weltklimas, sollte der Ausstoß von Treibhausgasen nicht zügig verringert werden.

Die im Kern 1997 auf einer Konferenz der Vereinten Nationen (UN) im japanischen Kyoto ausgehandelte Klimaschutzvereinbarung verpflichtet die Teilnehmerländer, ihren Kohlendioxidausstoß zwischen 2008 und 2012 auf ein Niveau reduziert zu haben, das um 5,2 Prozent unter dem von 1990 liegt. Länder die das Klimaschutzziel verfehlen, sollen ihre Bilanz durch den Kauf von Abgasrechten verbessern können.

Jahrelanger Streit

Bis alle 141 Teilnehmer das Abkommen nacheinander ratifiziert hatten, gab es um die Ausgestaltung des Protokolls jahrelang Streit. Die USA zogen sich bereits 2001 ganz aus dem Kyoto-Kreis zurück. US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Regelung damals als zu teuer und kritisierte Ausnahmen für ärmere Länder.

Dennoch hoffen die Kyoto-Befürworter darauf, dass die USA dem Protokoll wieder beitreten werden - auch, damit sich China und Indien dem Abkommen anschließen. Großbritanniens Regierungschef Tony Blair sagte am Dienstag in London: "Ich denke, die USA sind bereit, den Dialog über diese Frage wieder aufzunehmen."

Entscheidend für das nun bevorstehende In-Kraft-Treten war zuletzt die Ratifizierung durch Russland im vergangenen November. Erst damit wurde die notwendige Mindestteilnehmerzahl für das Abkommen erreicht. Mit der Stilllegung zahlreicher Industrieanlagen hat Russland seine Abgabe von Treibhausgasen seit 1990 um fast 39 Prozent reduzieren können. Andere Länder haben im selben Zeitraum ihr Abgasvolumen weiter erhöht, so auch Österreich: Die Alpenrepublik, die sich bis 2008-12 zu einer Reduktion im Ausmaß von 13 Prozent verpflichtet hatte, lag laut Umweltbundesamt 2003 um 16,6 Prozent über dem Zielwert. An der Spitze der Industrieländer liegen dabei UN-Daten zufolge Spanien und Portugal mit Wachstumsraten von über 40 Prozent. (APA/Reuters)

Share if you care.