[rau]: Lustiges Land

9. Februar 2005, 17:57
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Piraten und Toreros: Die Lustigkeit dringt still, aber zäh vor

Es ist ein lustiges Land. Die Mitarbeiter der Vertrauens- Bäckereikette schrecken in der Früh mit Piraten-Augenklappen. Machen die das freiwillig oder hat ihnen das der Marketing-Fuzzi der Firma aufs Auge gedrückt? Haben wir in dem einen sichtbaren Auge des Mitarbeiters verzweifelte Resignation gesehen? („Ich muss das mitmachen, ich bin froh, dass ich den Job habe.“)

Im Vertrauenswirtshaus hingegen trägt die männliche Gastronomie-Chefkraft offenbar bewusst ein spanisches Torero-Kostüm, komplett mit Stickerei, Kniestrümpfen und Dreispitz. Nicht ohne pikanten Verfremdungseffekt: Die „traje de luces“ (Tracht der Lichter) ist in Kanariengelb gehalten und statt der gefältelten und gestärkten weißen Hemdbrust wird Haut und Naturwolle geboten.

Für ein Lokal, das sehr gute Hausmannskost bietet, eine überraschend exotische Note. Die Lustigkeit dringt still, aber zäh vor. Sie sickert osmotisch in die höchsten Hallen der Republik ein: Nach Auskunft eines erstklassigen Gewährsmannes wurden an diesem Faschingsdienstag auch in der Bundespräsidentschaftkanzlei Clownnasen beobachtet. Unter der Reine Margot hätt’s das nicht gegeben, aber die Macht der Lustigkeit ist unaufhaltsam. (rau, DER STANDARD Printausgabe, 09.02.2005)

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