"Tragödie, dass auf Frauen vergessen wird"

8. Februar 2005, 19:46
16 Postings

Rot und Grün gegen schwarze Frauenpolitik - Eine Bilanz nach fünf Jahren Regierung

Wien - Für die SPÖ-Frauen hat es in den vergangenen fünf Jahren unter Schwarz-Blau keine Frauenpolitik mehr gegeben. Es sei eine "Tragödie, dass auf die Frauen vergessen wird", meinte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer am Dienstag.

Der hohe Frauenanteil in der Regierung nütze nichts, wenn nicht auch Frauenpolitik gemacht werde, schlossen sich SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer dieser Kritik an. Die SPÖ-Politikerinnen forderten ein eigenständiges Frauenministerium. Seit der schwarz-blauen Regierung werde den Frauen durch diverse Maßnahmen suggeriert, sie müssten eine "gute Mutter sein und zu Hause bleiben". Die Gesellschaft erwarte sich nun diesen Rückzug, so Prammer: "Alle Maßnahmen der Regierung spiegeln das wider."

Die steigende Frauenarbeitslosigkeit würde von der Bundesregierung mit einem Achselzucken quittiert, das Kindergeld erschwere den Wiedereinstieg. Notwendige Maßnahmen seien nun - neben einem eigenständigen Frauenministerium - eine eigenständige Alterssicherung für Frauen, ein Frauenschwerpunkt beim Arbeitsmarktservice, das Recht auf einen Kinderbetreuungsplatz mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten, Berufsorientierung besonders für Mädchen ab dem 10. Lebensjahr und die Forcierung der Väterkarenz.

Die Frauensprecherin der Grünen, Brigid Weinzinger, schlägt in dieselbe Kerbe: "Die schwarz-blaue Frauenpolitik ist offensichtlich am Ende." Frauenministerin Maria Rauch-Kallat habe bisher "kein einziges brennendes Problem" gelöst: Die Einkommensschere vergrößere sich, die Frauenerwerbsquote bleibe niedrig, die Armutsgefährdung steige.

ÖVP-Frauensprecherin Elisabeth Scheucher-Pichler sieht die Dinge naturgemäß rosiger: Für die ÖVP sei Frauenpolitik in der Regierung "gelebte Realität". Scheucher zeigt für die Kritik der Opposition kein Verständnis. Die SPÖ würde immer wieder vermitteln, dass das Schicksal der Frauen von außen bestimmt sei. Die Klagen über die Opferrolle der Frau würden den Frauen Kraft und Mut nehmen: "Diese Einstellung ist negativ, destruktiv und hilft den Frauen nicht weiter." (red/DER STANDARD, Printausgabe 09.02.2005)

  • SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer
    foto: standard/cremer
    SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer
  • SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer
    foto: standard
    SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer
  • SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek
    foto: standard/newald
    SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek
Share if you care.