Arafats Vermögen: Jagd nach Millionen

9. Februar 2005, 18:35
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Abbas lässt Arafats geheimes Milliardenvermögen suchen

Er lebte bescheiden und führte Buch: Yassir Arafats Vermögen, das sein Nachfolger Mahmud Abbas nun suchen lässt, soll in Dutzenden kleiner Notizbücher aufgelistet sein, die der verstorbene Palästinenserpräsident immer bei sich trug. Nur ein paar dieser Bücher sind in seinem Amtssitz in Ramallah geblieben, von den anderen fehlt noch jede Spur.

Nur eines scheint klar: Das geheime Milliardenvermögen, das Arafat in mehr als 25 Jahren an der Spitze der PLO anhäufte, weitergab an wirkliche und gekaufte Verbündete, oder verspekulierte, muss heute auf wenige 100 Millionen Dollar zusammengeschrumpft sein - "Peanuts", verglichen mit den Summen, die jahrelang an allen Kontrollen vorbeigeschleust worden waren, meint Salam Fayyad, ein ehemaliger IWF-Funktionär, der 2002 als Finanzminister der palästinensischen Autonomiebehörde die Zügel anzog, in einer Untersuchung der Financial Times. 898 Millionen Dollar sind nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds allein zwischen 1995 und 2000 an der Autonomiebehörde vorbeigeschoben, doch 799 Milliarden Dollar bis 2003 aus Arafats Kreis wieder zurückerstattet worden.

Insgesamt soll Arafat 1,3 Milliarden Dollar persönlich kontrolliert haben, schätzte Israels Militärgeheimdienst 2002. Acht bis 10 Milliarden Dollar kalkulierte der britische Geheimdienst Mitte der 90er-Jahre, weltweit verteilt in Aktienbeteiligungen, wie etwa der ägyptischen Telekomgesellschaft Orascom.

Regelmäßige Einkommen in Höhe von 180 bis 200 Millionen Dollar im Jahr erhielt die PLO-Führung von den arabischen Staaten. Eine Art Solidaritätssteuer von fünf Prozent ihres Gehaltes zahlten Palästinenser an die Regierungen der arabischen Länder, in denen sie lebten. Arafat soll davon monatlich 10,25 Mio. Dollar erhalten haben. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2005)

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